Bischof: Die kleinen Pfarrgemeinden bleiben erhalten

10.11.2016

Mainpost 10.11.2016

GERNACH

Bischof: Die kleinen Pfarrgemeinden bleiben erhalten

m Rahmen seiner Visitation des Dekanates Schweinfurt-Süd war der Würzburger Bischof am Nachmittag des Sonntags zu Gast in Gernach.

Am Nachmittag feierte er mit den Gläubigen aus Gernach und Gästen aus den Nachbarorten Ober- und Unterspiesheim einen feierlichen Vespergottesdienst. Kennzeichen dieses Gottesdienstes: Das Gebet oder der Gesang von Psalmen stehen im Mittelpunkt, eine Lesung aus der Heiligen Schrift wird vorgetragen, und Fürbitten für die weltweiten Anliegen der Kirche werden gebetet.

„Im Vorzimmer des Himmels“

Die Vorsitzende des Gernacher Pfarrgemeinderats, Karin Johe-Nickel, hatte den Bischof in der St.-Aegidius-Kirche begrüßt. Sie bezeichnete die Gernacher Kirche als „Schatzkästlein“, – eine Bezeichnung, die der Bischof in seiner Ansprache aufgriff: „Sie befinden sich hier wirklich im Vorzimmer des Himmels“, gab er seiner Bewunderung für die Schönheit des Gotteshauses Ausdruck.

Karin Johe-Nickel schilderte die vielfältigen Aktivitäten der Gernacher Pfarrgemeinde: Der Frauenbund gestalte das Kirchenjahr durch die Wallfahrt zur Wolfskapelle, Ausflüge und Erntedankfeier. Die KAB führe alljährlich die Fahrradwallfahrt nach Vierzehnheiligen durch und organisiere den Benefizlauf, dessen Erlös einem guten Zweck zur Verfügung gestellt wird.

Geben und Nehmen

Vier Beauftragte für die Leitung von Wortgottesdiensten sorgen für eine lebendige Liturgie. Pfarrgemeinderat und Kirchenverwaltung sind organisatorisches und verwaltungstechnisches Rückgrat der Gernacher St. Aegidius-Gemeinde.

All diese Aktivitäten geschähen in einem gegenseitigen Geben und Nehmen, auch mit Pfarrer Thomas Amrehn, mit dem eine gute Zusammenarbeit bestehe. „Wir sind froh, dass wir ihn haben“, sagte die Pfarrgemeinderatvorsitzende.

Bevor sie das Präsent der Gernacher Gemeinde überreichte, sprach sie den Wunsch aus, dass die kleinen Gemeinden, wie Gernach auch nach der Neuorganisation der Seelsorge, die das Bistum gerade vorhat, erhalten bleiben sollten.

In seiner Ansprache bezeichnete der Bischof die Kirche als „Herzschlag der Gemeinde“. Er appellierte an die Jugend, die Firmkinder – die Kommunionkinder und die Komm-in-Kinder und -Jugendlichen nahmen am Gottesdienst teil – sich mit den sicher ungewohnten Formen des Gebetes vertraut zu machen.

Er selbst erinnere sich an Vespern im Kloster Maria Laach in der Eifel, an denen er als Kind teilnahm und die ihm ziemlich langweilig wurden, auch weil die Psalmen lateinisch gesungen wurden und er nichts verstand. „Macht Eure innere Klappe nicht gleich zu, sondern versucht zu verstehen, was sich hinter diesen Gebeten verbirgt“, ermunterte er die Jugend, aber auch alle anderen Gläubigen.

Er gebrauchte dabei das Bild der großen Bagger beim Braunkohleabbau in der Nähe seiner Kölner Heimat: die müssten auch lange tief graben, bis sie endlich zur Braunkohle vordringen. Die Geduld führe dann zur Begegnung mit Gott, man erfahre dann den „Blick der Liebe Gottes, der durchs Leben trägt“.

Gerade wir Christen könnten von der Zusage Gottes leben, dass „jeder Mensch ohne Ausnahme von Gott gewollt ist, jeder Mensch seine eigene Würde hat.“

Aufgabe aller Christen in unserer Zeit sei es, das christliche Menschenbild überzeugend zu vertreten. Dabei sollte man sich auch nicht von der sinkenden Zahl der Gottesdienstbesucher entmutigen lassen. Es gelte, den Blick darauf zu richten, wie viel Gutes durch Menschen geschehe, die sich dem Glauben verbunden wissen und aus diesem Glauben heraus ihren Mitmenschen den „Blick der Liebe“ schenken, für sie da sind.

Abschließend versicherte der Bischof, dass auch im Rahmen der neuen Überlegungen zur Pastoral der Zukunft die kleinen Gemeinden erhalten bleiben sollen. Es müsse in jeder Pfarrgemeinde Ansprechpartner geben für die Anliegen der Gläubigen, so der Bischof.

Von Tisch zu Tisch

Nach dem Gottesdienst zogen die Gläubigen und die Fahnenabordnungen der Vereine unter den Klängen der Musikkapelle Gernach zum TSV-Sportheim. Dort warteten schon Kaffee und Kuchen auf die Gäste.

Pfarrer Thomas Amrehn lud alle ein zu Gespräch und Austausch. Bischof Hofmann ging von Tisch zu Tisch und beantwortete gerne die Fragen, die die Gernacher und die Gäste aus den Nachbarorten an ihn hatten. Er erkundigte sich nach den Sorgen und Anliegen. Immer wieder war auch fröhliches Lachen im Gespräch mit ihm zu hören.

Die Firmlinge und die Kommunionkinder ließen sich mit ihm fotografieren, und auch sonst wurde manches Foto geschossen. Denn wann kommt schon mal ein Bischof nach Gernach?

 

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