Das Kolitzheim der 50er Jahre

22.11.2016

Mainpost, 22.11.2016

 

KOLITZHEIM

Das Kolitzheim der 50er Jahre

 

Alfred Lang hat auf den Dächern der vielen Häuschen seines imponierenden Dioramas 20 000 einzelne Dachziegeln verlegt.

 

Vieles von dem, was noch vor 65 Jahren das Ortsbild von Kolitzheim prägte, ist heute verschwunden. Der alte Zehnthof wurde umgebaut, der Dorfbrunnen zugeschüttet. Gaststätten, die Metzgerei, die Bäckerei und das Lebensmittelgeschäft sind geschlossen. Den Wagner, den Schuster und den Sattler gibt es nicht mehr.

Alfred Lang hat das auf zweierlei Weise dokumentiert. Zum einen hat er ein unglaublich detailreiches Modell des Kolitzheimer Altorts aus der Zeit um 1950 geschaffen. 160 Häuser, Scheunen, Ställe und andere Gebäude sind dabei entstanden. Alle Bestandteile des Modells, das die Größe einer Tischtennisplatte hat, hat Lang nach Ansicht, nicht nach Maßstab gebaut. Die Vorlagen hat er größtenteils von alten Bildern, die ihm Kolitzheimer zur Verfügung gestellt hatten.

Ein ganzes Jahr lang hat sich Alfred Lang in den Keller seines Hauses zurückgezogen, um an dem Modell zu arbeiten. Hauptwerkstoff war dabei Pappelsperrholz, das ihm die Gemeinde Kolitzheim zur Verfügung gestellt hat. Ausgesprochen eindrucksvoll ist die Dachlandschaft im Modell des alten Kolitzheim. 20 000 kleine Ziegel hat der Bastler rot bemalt und mit dem Heißkleber verarbeitet.

Besonders viel Mühe hat der gelernte Maler und Tapezierer in den Nachbau der Kirche investiert. Auf 30 Stunden schätzt Lang den Zeitaufwand allein für dieses Gebäude. Familienangehörige, die sich zwischendurch das Modell angeschaut hatten, meinten, der Turm sei proportional zu niedrig. Alfred Lang sah das ein und erhöhte ihn um drei Zentimeter.

Angefangen mit dem Modellbau hat es bei dem 77-Jährigen erst vor fünf Jahren, als er das Eigenheim seiner Tochter in Sommerach nachbaute.

Nun ist ein viel größeres Projekt abgeschlossen. Das Dorfmodell ist inzwischen im Kolitzheimer Rathaus aufgebaut, wo es alle Bürger bestaunen können. Ob es auf Dauer dort bleibt, steht noch nicht fest. Vielleicht findet sich noch einmal ein anderer Platz. Jedenfalls soll der Standort öffentlich zugänglich sein.

Alfred Lang hat deswegen auch an die Transportfähigkeit gedacht, denn das Modell ist mit wenigen Handgriffen in acht Teile zerlegbar. Für eventuelle Umzüge des Miniaturdorfs hat er auch eigene Transportboxen gekauft.

Der zweite Teil, mit dem Alfred Lang das alte Kolitzheim der Nachwelt erhalten möchte, ist eine schriftliche Dokumentation. Sie entstand nach einer Ermunterung des Zeilitzheimer Kreisarchivpflegers Hilmar Spiegel, doch der Kolitzheimer Chronistengruppe beizutreten. In jedem der acht Ortsteile sollte nach Spiegels Vorstellung wenigstens ein Chronist sein.

Alfred Langs Dokumentation konzentriert sich auf das, was verloren gegangen ist. Er zeichnet die Entwicklung vom Dorfschreier über die Rufanlage bis zum Gemeindeblatt nach. Der seit 1964 in Kolitzheim lebende Chronist listet auch alle Pfarrer und Lehrer auf, die seit 1950 im Dorf gewirkt haben. Und wer weiß heute schon noch, dass Kolitzheim einmal eine eigene Polizeistation hatte? 28 Namen von Firmen hat Lang zusammengetragen, die es heute nicht mehr gibt.

Die Raiffeisenbank gibt es zwar noch, aber nur als Bankfiliale. Früher betrieb die Genossenschaft neben dem Geldgeschäft auch einen Kohlehandel, eine Mostpresse, einen Kartoffeldämpfer, eine Dreschmaschine und hatte ein Lagerhaus.

Im Bereich Modellbau ist die alte Dorfansicht von Kolitzheim das erste große Werk Alfred Langs. Er war aber schon früher in anderen Bereichen kreativ.

An der Realschule in Gerolzhofen sind bis heute Wappen des Regierungsbezirks Unterfranken, des Landkreises Schweinfurt und der Stadt Gerolzhofen zu sehen, die aus der Werkstatt von Alfred Lang kommen.

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