Der Boden vom Glas und die Mieze auf dem Kanapee

08.11.2016

Mainpost 08.11.2016

LINDACH

Der Boden vom Glas und die Mieze auf dem Kanapee

Auf traditionelle Weise feierte der Kreuzpfadort Lindach seine Martini-Kirchweih.

Mit einem Traktorgespann holte die Dorfjugend die Kirchweihkiefern aus dem Gemeindewald, um sie zu schmücken. Mit lautem Hallo und Gehupe zog man durch die Straßen des Ortes, um den Bewohnern zu signalisieren: „Auf geht?s zur Kerwa-Predigt auf dem Dorfangerplatz!“

Leider meinte es Petrus nicht so gut mit den „Staren“, wie die Kirchweihjugendlichen in Lindach genannt werden, denn die Schleusen des Himmels waren nicht ganz so dicht.
Trotz der widrigen äußeren Bedingungen kam eine beachtliche Anzahl an Zuhörern auf den Dorfplatz, um den beiden Predigern Felix Dittmann und Tim Endres zu lauschen. Stellvertretend für die gesamte Dorfjugend bekamen die beiden eine Menge Beifall für die wohl gesetzten Reime, die das besondere Dorfgeschehen des fast abgelaufenen Jahres glossierten.

Der eine oder andere Dorfbewohner wurde selbstverständlich auch namentlich erwähnt, ob des Missgeschicks, das ihm passierte. Das brachte den Betroffenen so einige Lachsalven der Zuhörer ein. Aber alle trugen es mit Humor, sicherlich in der Gewissheit: Diesmal traf es mich, nächstes Jahr sind andere dran!
Mit dem Spruch „Liebe Leut', macht bitte auch 'was im neuen Jahr, damit wir wieder was zu berichten hab'n!“ gaben die Kirchweihprediger der Hoffnung Ausdruck, dass die nächste Kirchweihpredigt wieder etwas hergibt.
Wie zu vernehmen war, machen sich die Kirchweihprediger aus einem anderen Grund etwas Sorgen um die Tradition. So seien in diesem Jahr nicht so viele Altersgenossen zu den Sitzungen erschienen, in denen die Texte für die Predigt entstanden, mit fadenscheinigen Ausreden. „Einer ist nicht gekommen, weil sein Fahrradreifen platt war, und das, obwohl er nur einige Schritte entfernt von der Sakristei wohnt!“
„Dieses Jahr wurde uns das Schreiben der Predigt etwas erschwert, denn man hat uns den Zugang zum Jugendraum in der Sakristei verwehrt“, reimten die Dorfpoeten außerdem. „Die Kosten der Kirche seien enorm gestiegen – und das soll an der Kirchweihjugend liegen!“ Daher versprach die Dorfjugend der Kirche einen Heizkostenzuschuss von fünf Euro, in der Hoffnung, dass dies reichen wird.

Auch von einem „göttlichen Gewitter“ predigte man, das die Kirchenuhr in Mitleidenschaft zog, weshalb sie einige Zeit nach dem Mond ging. Das Gewitter wurde auch für den Ausfall des W-Lan in Lindach verantwortlich gemacht. „Völlig verzweifelt war man nun, denn was sollte man da ohne Internet tun?“, fragten die Prediger.
Ob des schweren Gewitters machte sich eine junge Frau auch auf die Suche nach ihrer Katze. Die hat sich sicher erschreckt und ist ins Feie gelaufen, dachte die besorgte Katzenmutter. Sie machte sich auf die Suche und prompt fiel hinter ihr die Tür zu. Sie war ausgesperrt. Als man nach großer Mühe die Türe wieder geöffnet hatte, schlummerte die Mieze ganz friedlich auf dem Kanapee.

Ein junger Student fuhr mit seinem Auto, doch vergaß er rechtzeitig zu tanken. Als Papa ihm den Reservekanister mit Benzin nachfahren wollte, blieb auch das Helferfahrzeug mangels Sprit unterwegs liegen.

In die Glossen der Missgeschicke mischten die Prediger auch lustige Trinksprüche wie „Es tut mir im Herzen weh, wenn ich vom Glas den Boden  seh!“ oder amüsante Werbesprüche über einheimische Gewerbetreibende.              


Nach der Predigt stellten die Staren die geschmückten Kirchweihföhren an der Kirche, an den beiden Gasthäusern und an den Anwesen der örtlichen Gemeinderäte auf, wo es selbstverständlich nochmals feucht-fröhlich herging. Am Abend traf man sich zum Kirchweihtanz im Sportheim, der in diesem Jahr einen guten Besuch zu verzeichnen hatte.

 

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