Die Bedeutung der Heimat

13.09.2016

Mainpost 13.09.2016

UNTERSPIESHEIM

Die Bedeutung der Heimat

Der feierliche Einzug des Abtes Dr. Johannes Müller, Vorsteher des Zisterzienserklosters in Himmerod in der Eifel, in die Unterspiesheimer Pfarrkirche St. Sebastian, zusammen mit Pfarrer Thomas Amrehn und dem Altardienst, eröffnete das Urkundenfest, mit dem in Unterspiesheim der ersten Erwähnung von Spiesheim vor 1225 Jahren gedachten. Zugleich feierte man den vorläufigen Abschluss der Renovierung der Kirche.
Pfarrer Thomas Amrehn begrüßte den Abt in der Pfarrkirche St. Sebastian in Unterspiesheim. Er freute sich, dass dieser dem Gottesdienst zum Jubiläum vorstand, komme doch dadurch die über sechs Jahrhunderte währende Verbindung von Spiesheim zum Orden der Zisterzienser zum Ausdruck.

Der Seelsorger erinnerte auch an die Renovierung der Kirche St. Sebastian, die mit diesem Tag zu einem vorläufigen Abschluss gekommen sei. Aufwändige Sicherungsmaßnahmen, vor allem an der Decke seien notwendig gewesen. Für etwa eineinhalb Jahre habe man aus dem Gottesdienst ausziehen müssen oder Gottesdienste in der Baustelle feiern müssen.
Amrehns Dank galt allen Handwerkern, der Kirchenverwaltung und dem Pfarrgemeinderat für ihr „enormes Maß an ehrenamtlichen Einsatz, ohne den dieses Werk nicht hätte gelingen können“. Dankesworte richtete der Seelsorger auch an die Vertreter der Gemeinde Kolitzheim und an das Bischöfliche Ordinariat für die finanzielle Unterstützung sowie an die Frauen und Männer, die durch Spenden zur Finanzierung der Renovierungsarbeiten beitrugen.
Altar, Ambo, Orgel und Sedilien fehlten zwar noch. „Uns ist das Geld ausgegangen“, stellte Pfarrer Amrehn fest. Daher sei der heutige Tag nur ein Zwischenschritt für die Gemeinde. Er hoffe, dass das Gotteshaus der Gemeinschaft diene, und dass diese Gemeinschaft im Vertrauen auf die Barmherzigkeit Gottes gut in die Zukunft gehen werde.

Scherzhaft fragte Zisterzienser-Abt Müller, ob Pfarrer Amrehn in Würzburg nachgefragt habe, ob er hier überhaupt die Eucharistie feiern dürfe. Denn die Würzburger Bischöfe hatten in der Vergangenheit oft mit Argwohn die Zisterzienser in Ebrach beobachtet.

In seiner Predigt nahm er Bezug auf das Gleichnis vom verlorenen Sohn. Das Thema „Heimat“ sei in diesem Gleichnis angesprochen, und damit sei auch ein Bezug zum heutigen Jubiläum hergestellt, so der Abt.
Spiesheim sei für die Vorfahren seit dem Bestehen des Ortes Heimat gewesen, Heimat, die sich verbindet mit der Familiengeschichte und mit der persönlichen Lebensgeschichte eines jeden.

Jeder sehne sich zutiefst nach Heimat, einem Ort, „an dem man Wurzeln schlagen kann“. Die beiden jungen Leute im Gleichnis hätten beide keine Heimat besessen: Der eine sagte sich los, will sein eigenes Leben leben und scheitert. Der andere blieb zu Hause, sei aber schon lange in die innere Emigration gegangen, habe sich innerlich vom Vater entfernt, so Müller. Der Vater lasse beiden ihren eigenen Weg, zwingt ihnen seine Liebe nicht auf, fange sie aber in selbstloser Liebe auf, wenn sie dies wünschten.

Das Zisterzienserkloster in Ebrach habe – nach den Ordensregeln der Zisterzienser – den Mönchen Heimat bieten wollen. Im Schutz der Klostermauern wussten sie, wohin sie gehörten, so Abt Müller. Die klösterliche Tradition der Zugehörigkeit zu einer Gemeinschaft verpflichte lebenslang zum Bleiben bis zum Tod. Das Gelübde der freiwilligen Armut der Mönche helfe zu sehen, „was wirklich glücklich macht“, so Müller: „nicht die Askese um ihrer selbst willen, sondern Wurzeln zu schlagen bei den Menschen und bei Gott. Nur Gott gibt letztlich Heimat.“

Musikalisch wurde der Gottesdienst umrahmt vom Duo Brigitte Scherm (Oboe) und Lenka Senajova (Gitarre, Gesang) sowie von Heinz Becker an einer Hammond-Orgel. Die Kirchenorgel ist ausgebaut und wird derzeit renoviert.

Nach dem Gottesdienst waren alle eingeladen zur klösterlichen Vesper-Brotzeit. Für die am Bau beteiligten Handwerker war diese Brotzeit gleichzeitig als Richtfestfeier gedacht. Kassler und Kraut, Wurst- und Käsebrote aus der Bäckerei und Metzgerei des Klosters Münsterschwarzach wurden zum Verzehr angeboten. Der Chef der Bäckerei des Klosters, Leo Stöckinger, und Metzgermeister Volker Erich aus der Klostermetzgerei hatten alle Hände voll zu tun, den Andrang der zahlreichen Besucher zu bewältigen.
Zum Ausschank kam Klosterbier vom Kreuzberg und Jubiläumsbier aus der Brauerei Martin in Hausen bei Schweinfurt. Pfarrer Thomas Amrehn bewies sein Talent als Anbieter einer reichen Auswahl von Klosterlikören und -schnäpsen.

Essen und Getränke waren frei, es wurde aber um eine Spende gegeben; als Orientierung dafür, wie hoch die Spende sein könnte, lag eine Preisliste aus. Für Stimmung sorgen die Unterspiesheimer Musikanten mit ihren flotten Melodien. Pfarrer Thomas Amrehn ließ es sich nicht nehmen, unterstützt von den Musikanten, Ehrenamtliche und Handwerker, Kirchenverwaltung und Gemeinde hochleben zu lassen.

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