Die Wehren bräuchten mehr Personal

26.10.2016

Mainpost 26.10.2016

KOLITZHEIM

Die Wehren bräuchten mehr Personal

Die acht Ortschaften der Großgemeinde sind alle vergleichsweise größere Dörfer mit mehr als 500 Einwohnern. Trotzdem haben die meisten der acht Feuerwehren Probleme, tagsüber bei Einsätzen eine schlagkräftige Mannschaft zusammenzubringen. In einem der Ortsteile ist es sogar schon zweimal passiert, dass nach einem Alarm die örtliche Wehr wegen Personalmangels nicht ausrücken konnte.

Die Gemeinde muss ihre Feuerwehr unterhalten

Nach dem bayerischen Feuerwehrgesetz gehört es zu den Pflichtaufgaben einer Gemeinde, „im eigenen Wirkungskreis dafür zu sorgen, dass drohende Brand- oder Explosionsgefahren beseitigt und Brände wirksam bekämpft werden (abwehrender Brandschutz) sowie ausreichende technische Hilfe bei sonstigen Unglücksfällen oder Notständen im öffentlichen Interesse geleistet wird (technischer Hilfsdienst).“ Eine Gemeinde muss ihre Feuerwehr auch aufstellen, ausrüsten und unterhalten.
Hier liegt das Problem, auf das Bürgermeister Horst Herbert jetzt reagiert. Im Gemeinderat hat er sich den Beschluss geholt, einen externen Brandschutzbeauftragten zu bestellen, mit dessen Hilfe eine Feuerwehrbedarfsplanung zu erstellen. Dazu gehören Gebäude, Material und Personal. Im Moment haben fast alle der acht Ortsfeuerwehren ein Fahrzeug. Nur Unterspiesheim hat drei.

Viele Gemeinden setzen auf Bedarfsplanung

Mit der Bedarfsplanung soll vermieden werden, dass die Gemeinde investiert, wo gar kein Bedarf mehr besteht. Hier kommen auch Synergieeffekte ins Spiel. Wenn alle Feuerwehren die gleichen Geräte benutzen, sei eine überörtliche Zusammenarbeit leichter, als wenn in jedem der acht Feuerwehrhäuser andere Geräte und Fahrzeuge stehen.
Den Zuschlag für die Feuerwehrbedarfsplanung bekam wie berichtet die Firma Brandschutz Consulting Braunschweig mit Jochen Braunschweig aus Werneck. Die Idee, einen Bedarfsplan zu erstellen, entstand im Gespräch mit den örtlichen Feuerwehrkommandanten sowie Kreisbrandrat Holger Strunk und Kreisbrandinspektor Alexander Bönig.
Zu den Ursachen für die Personalknappheit bei den Wehren: An erster Stelle nennt Bürgermeister Horst Herbert hier die Tatsache, dass die meisten Feuerwehrangehörigen tagsüber auswärts arbeiten. Einige ältere Kameraden seien auch abgesprungen, weil sie sich nicht mehr mit dem neuen Digitalfunk auseinandersetzen wollten.

Berufstätigkeit und Geburtenrückgang als Ursachen

Nicht zu unterschätzen ist für den Bürgermeister der Geburtenrückgang. Gab es bis zum Jahr 2000 noch 75 bis 90 Babys in der Großgemeinde, waren es danach nur noch 40 bis 50. In Herlheim gab es sogar ein Jahr ohne eine einzige Geburt.
In der Großgemeinde halten sich seltsamerweise auch die Frauen beim Feuerwehrdienst zurück, setzte Herbert seine Liste der Gründe für den Personalmangel fort. „Es gibt in den Dörfern genügend geeignete Leute, die Zeit hätten, aber nicht zur

Feuerwehr gehen.“ Dabei seien aktive Wehrleute für einen Ort äußerst wichtig. Denn sie haben Ortskenntnis, wissen, wo der nächster Hydrant steht, kennen die Straßennamen und wissen, wer in welchem Haus wohnt.

In fünf der acht Ortsteile bestehen Personalprobleme: Herlheim, Gernach, Kolitzheim, Oberspiesheim und Lindach. Richtig gut sieht es nur noch in Zeilitzheim aus. Mit ihrem Personalproblem stehen die Kolitzheimer im Landkreis Schweinfurt nicht alleine da, sagt Kreisbrandrat Holger Strunk auf Anfrage.
Dass das Problem gerade in Kolitzheim zum Thema wird, sei dem vorbildlichen Verhalten von Bürgermeister Horst Herbert zu danken. Eigentlich sollten alle Gemeinden eine Erhebung über den Feuerwehrbedarf vorlegen. Die Kolitzheimer haben sich als erste mit den maßgeblichen Leuten zusammengesetzt, um über die Zukunft der Feuerwehren zu reden.

Fusionen auch bei der Feuerwehr?

Fusionen will Strunk auch in größeren Orten nicht ausschließen. Im Landkreis gebe es so etwas bereits in sehr kleinen Dörfern wie Wiebelsberg, Mutzenroth und Düttingsfeld. Auch im Feuerwehrwesen müsse man wohl das Kirchturmdenken aufgeben.
Im Fußball gebe es längst Spielgemeinschaften. „Warum sollte es bei den Feuerwehren keine Löschgemeinschaften geben?“, überträgt Strunk dieses Modell auch auf den Feuerwehrbereich.
Der neue Kreisbrandinspektor Alexander Bönig, der für Kolitzheim zuständig ist, zollt zunächst einmal Kommandanten wie Jürgen Friedrich aus Gernach seinen Respekt, die mit wenigen Leuten viel leisten. Gute Ansätze gebe es bei den noch gut besetzten Wehren in Unterspiesheim, Stammheim und Zeilitzheim, wo erfolgreich um Nachwuchs gewoben werde.
Dass gerade in größeren Ortschaften Personalmangel bei den Löschtruppen entsteht, erklärt Bönig mit der Vielfalt des Angebots. Anders sei das in kleinen Dörfern. Beispiel: „In Brünnstadt ist die Feuerwehr der einzige Verein.“

Kultureller Wert für die Dorfgemeinschaft

Alexander Bönig ist ein absoluter Verfechter der örtlichen Feuerwehr, nicht nur wegen der besseren Ortskenntnisse, sondern auch wegen des kulturellen Werts für eine Dorfgemeinschaft.
Der Kreisbrandinspektor: „Es gibt in den Dörfern genügend geeignete Leute, die Zeit hätten, aber nicht zur Feuerwehr gehen.“ Es gebe Bürger, die gleich in mehreren Vereinen Verantwortung übernehmen, während „andere gar nichts machen.“

 

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