Dreimal 90 gibt ein seltenes Fest

24.10.2016

Mainpost 24.10.2016

UNTERSPIESHEIM

Dreimal 90 gibt ein seltenes Fest

Drei 90-Jährige feierten in Unterspiesheim gemeinsam den Dankgottesdienst zu ihrem Geburtstag – ein seltenes Fest für das Dorf.
Zwei der Geburtstagskinder sind am 23. Oktober 1926 geboren, sie wurden auch am gleichen Tag getauft: Paula Köhler und Maria Ebner.
Die dritte im Bunde der Geburtstagskinder, Maria Loos darf sich noch einige Tage auf ihren Geburtstag freuen, aber sie feierte den Dankgottesdienst schon mit.

„Wir sind ja nicht abergläubisch, sagte Pfarrer Thomas Amrehn in seiner Begrüßung beim Dankgottesdienst für die drei Jubilarinnen in der Pfarrkirche St. Sebastian in Unterspiesheim angesichts der Tatsache, dass für alle drei Frauen zu diesem Zeitpunkt der Geburtstag erst noch bevorstand.
Auch Maria Loos und Maria Ebner sind sehr eng verbunden. Sie besuchten gemeinsam die Unterspiesheimer Volksschule, „vom ersten bis zum letzten Tag“, wie beide übereinstimmend feststellen. Gemeinsam ist allen drei Jubilarinnen, dass sie in Unterspiesheim geboren sind und zeitlebens auch in Unterspiesheim blieben.

 „Wir dürfen gespannt sein, wann wir ein solches Geburtstagsfest von drei 90-Jährigen das nächste Mal feiern können. Das wird wohl nicht so schnell wieder der Fall sein“, hob Pfarrer Amrehn den Seltenheitswert dieses Festes hervor. Er stellte auch die Verbindung zum 90-jährigen Jubiläum des Missionswerkes der katholischen Kirche her, das an diesem Sonntag in Deutschland gefeiert wurde.
Er erinnerte daran, dass die Jubilarinnen in den vergangenen 90 Jahren „einem ganzen Heer“ von Menschen begegnet sind, die ihnen an die Seite gestellt waren, die sie unterstützt haben, von denen sie aber auch Hilfe und Stärkung erhalten haben.
 

Der Seelsorger nahm das Evangelium, in dem vom selbstgerechten Pharisäer berichtet wird, der sich seiner Frömmigkeit vor Gott rühmt und dem Zöllner, der sich als Sünder bekennt zum Ausgangspunkt der Predigt. Es gelte, der Tendenz entgegenzuwirken, die Menschen in Kategorien einzuteilen, wie „gut und böse“, „schwarz und weiß“, „besser oder schlechter“. Dadurch isoliere man sich selbst, denn durch diese Vorurteile schneide man die Verbindung zu Anderen, zu Fremden ab. Gott behandele die Menschen aber alle gleich, allen gelte seine Liebe, den reichen Europäern und den Armen auf den Philippinen, für die in der Kollekte gesammelt wurde.

Pfarrer Amrehn überreichte unter dem Beifall der Kirchenbesucher jeder der Jubilarinnen eine von Bischof Friedhelm Hofmann unterzeichnete Glückwunschurkunde, eine Geburtstagskerze und einen Beutel Tee, „denn der Tee bringt einen gut über den Winter“, fügte er augenzwinkernd hinzu.

Nach dem Gottesdienst stellten sich die Jubilarinnen zu einem Erinnerungsfoto. Alle drei sind dankbar, dass sie, gemessen an ihrem hohen Alter, noch sehr fit sind, und dass ihnen ein so hohes Alter geschenkt wurde. „Dass ich einmal so alt würde, hätte ich nie gedacht“, sagte eine der Jubilarinnen in die Runde, und die anderen beiden nicken zustimmend, weil sie das ausgesprochen hat, was auch die anderen beiden an diesem bedeutsamen Tag fühlen.

 

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