Gernach trauert um Rita Schüll

03.01.2017

Mainpost 03.01.2016
GERNACH

Gernach trauert um Rita Schüll

Bereits am 28. Dezember verstarb im Alter von 96 Jahren Rita Schüll.

Rita Schüll war weltoffen und vielseitig interessiert. Falsche Anpassung war ihre Sache nie: Mut zum Bekenntnis eigener Anschauungen hatte sie schon von ihren Eltern in den Zeiten des Dritten Reiches gelernt, und auch sie selbst war damals nur durch einen glücklichen Zufall polizeilichen Zwangsmaßnahmen entgangen.

Schüll besuchte die Volksschule in Heidenfeld, lernte im Kloster das Klavierspielen, und in Münnerstadt das Orgelspiel. Schon mit 18 Jahren übernahm sie die Leitung des Kirchenchores in Heidenfeld, und auch den Orgeldienst. Ihre Eltern betrieben Landwirtschaft, daneben betreuten sie die Poststelle, ihr Vater verwaltete die Darlehenskasse. Als er zum Ende des Zweiten Weltkrieges eingezogen wurde, war ihre Mithilfe im elterlichen Betrieb gefordert, zumal Schwester Rosalie zum Arbeitsdienst verpflichtet wurde. 1946 heiratete sie Josef Schüll aus Gernach. Im gleichen Jahr übernahm sie das Orgelspiel in Gernach, aushilfsweise auch in Unterspiesheim und Oberspiesheim.

Gemeinsam bewirtschaftete das Paar den landwirtschaftlichen Betrieb, den Josef von seinen Eltern übernommen hatte. Sechs Kinder wurden dem Paar geschenkt, vier Söhne und zwei Töchter. Diese, sowie zehn Enkel und acht Urenkel trauern um die Verstorbene. Ihr Mann starb 1990.

Bei Wind und Wetter fuhr sie zu ihrem Einsatz mit dem Fahrrad in die Nachbarortschaften. 1996 musste sie nach über 60 Jahren, das Orgelspiel aufgeben, da es zu beschwerlich wurde, die Treppen zur Empore hinaufzusteigen. Bischof Paul-Werner hatte ihr schon 1990 für ihren 50-jährigen Einsatz an der Orgel die Bruno-Medaille verliehen. 2002 erhielt sie das Bundesverdienstkreuz am Bande für ihre langjährigen ehrenamtlichen Tätigkeiten vielfältiger Art.

In den Jahren 1977-92 übernahm sie die Leitung des Landfrauenchores des Landkreises, zu dessen Gründungsmitgliedern sie zählte. Den Altenclub in Gernach, wie der Seniorenkreis damals genannt wurde, rief sie zusammen mit Alfred Mohr 1976 ins Leben und betreute die Senioren über 20 Jahre und führte den Seniorentanz in Gernach ein. Vier Jahre war sie Jugendschöffin am Amtsgericht. Von 1958 bis 1978 war sie Vorsitzende des Frauenbundes Gernach. Dem Pfarrgemeinderat gehörte sie zwei Amtsperioden lang an.

Rita Schüll machte wenig Aufhebens um ihre körperlichen Einschränkungen, die im Alter immer mehr spürbar wurden. Ihre geistige Frische und Wendigkeit waren ihr bis in ihre letzten Lebenstage erhalten geblieben. Rita Schüll hat sich für die Dorfgemeinschaft in Gernach und darüber hinaus eingesetzt.

Rita Schüll wird am Dienstag, 3. Januar, in Gernach zu Grabe getragen. Foto: Schüll

 

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