Im Rausch der Emotionen

13.03.2017

Mainpost 13.03.2017

STAMMHEIM

Im Rausch der Emotionen
Die Krone der Fränkischen Weinkönigin hat unerwartet schnell eine neue Trägerin gefunden. Schon kurz nach 16 Uhr kommt aus Veitshöchheim die Mitteilung: Neue Fränkische Weinkönigin ist Silena Werner aus Stammheim.
Kurz darauf ein erster Besuch im neuen fränkischen Königshof am Eselsberg. Noch ist wenig Euphorie zu spüren. Keine Transparente, das Leben geht noch seinen ganz gewohnten Gang. Nur vor dem Alten Rathaus, am Dorfweiher, stehen ein paar Absperrhütchen mit der Aufschrift: Bitte frei halten. Und die Dorfstraße ein Stückchen weiter hinauf Richtung Oettershausen, dort wo der Weg in die Weinberge führt, hissen ein paar Menschen die erste Fahne mit dem rot-weißen Frankenrechen

Plakat am Ortseingang
Eine Stunde später ist schon mehr zu sehen. Am Ortseingang, unten an der Kirche, steht jetzt ein Plakat: Fränkische Weinkönigin 2017/18. Daneben das Konterfei der 20-jährigen Groß- und Außenhandelskauffrau, seit zwei Jahren als örtliche Weinprinzessin Mitglied der Rebendynastie und nun deren oberste Repräsentantin.
So gegen 19 Uhr wird Silena Werner in Stammheim zurückerwartet, erfährt man von den Musikern der Stammheimer Blaskapelle. Am Dorfweiher werden jetzt die Stehtische für den Empfang aufgebaut, auf einem weißen Bettlaken grüßen die Korbballer „ihre“ Königin mit großen bunten Lettern. Das Warten beginnt.
Der Platz füllt sich langsam. Aus Veitshöchheim treffen die ersten Augenzeugen von Silenas Werners Triumph ein. Die, die nicht an Bord der beiden Fanbusse sind, die auf die neue Weinkönigin warten müssen, bis die ihre ersten Medientermine absolviert hat. Darunter ist der Kitzinger Pfarrvikar Jürgen Thaumüller, ein Stammheimer. „Ich war mir ganz sicher, dass Silena es wird“, sagt er: „Sie hat einfach eine ganz natürliche Art.“ Er ist nicht der Einzige, der sich so äußert.

Eskorte mit Blaulicht
Langsam geht es auf 19 Uhr zu. Die Spannung bei den Wartenden steigt. Dann tut sich was. Blaulicht und Tatü-Tata aus Richtung des Militärmuseums. Die Feuerwehr eskortiert die beiden Busse durch das Dorf. Vorne, auf dem Sitz des Reiseleiters, sitzt in ihrem beerenfarbenen Kleid mit Glitzerpailletten die Hauptperson des Abends: Silena Werner, Frankens neue Weinkönigin. Sie strahlt über das ganze Gesicht. Sie winkt.
Als der Bus hält, wird der rote Teppich entrollt. Silena Werner steigt aus. Unterwegs hat sie augenscheinlich Marscherleichterung gemacht. Nicht mehr mit den hochhackigen Pumps des Wahloutfits, sondern in bequemen roten Turnschuhen schreitet sie zum Bad in der Menge. Ihr Gesichtsausdruck verrät, dass sie wohl noch gar nicht so recht fassen kann, was in den vergangenen Stunden mit ihr passiert ist. Wie auch die Stammheimer. Ist es wirklich wahr? Haben wir die Fränkische Weinkönigin am Eselsberg? Nach drei vergeblichen Anläufen? Es ist wahr.

Unzählige Selfies
Scheinbar jeder will Silena Werner einmal knuddeln. Mit strahlender Mine lässt sie die Gratulationscour über sich ergehen, posiert für unzählige Fotos und Selfies, schüttelt Hände. Dann will Bürgermeister Horst Herbert ein paar Worte sagen und bittet auf die Rathaustreppe: „Hier gehts weiter. Hier steht die Weinprinzessin . . .“
Alles lacht über den kleinen Fauxpas. Aber Herbert wäre kein Politprofi, wenn er nicht gleich die Kurve bekäme: „Die Stammheimer Weinprinzessin und die Fränkische Weinkönigin.“ Richtig so, denn noch ist Silena Werner das für ein paar Tage in Personalunion.

„Du bist ganz souverän gewesen“, stellt er in Richtung Silena Werner fest: „Wir könnten keine bessere Weinkönigin haben.“ Sein Dank gilt allen, die die Stammheimerin auf die Wahl vorbereitet hatten, allen voran ihrem Coach Franz Sauer, einem altgedienten Königinnenmacher in Frankens Weinszene. Doch auch für ihn ist es scheinbar kein Erfolg wie jeder andere. „Du hast mich heute zum glücklichsten Mann der Welt gemacht“,
bescheidet er seinen Schützling.

Ständchen der ehemaligen Weinprinzessinnen
Stammheims ehemalige Weinprinzessinnen haben eigens ein Ständchen für ihre Mitstreiterin gedichtet. Bei der Textzeile „Schau' mal, alle diese Menschen sind gekommen wegen dir“, wischt sich Silena Werner verstohlen ein paar Tränchen aus dem Augenwinkel. „Ich muss das alles erst mal realisieren“, gibt sie zu, und dann ruft sie ihren Fans zu: „Wir sind fränkische Weinkönigin.
“ Endlich. Nach 62 Jahren. Es wird noch lange gefeiert vor dem Rathaus, obwohl die Nacht ziemlich kalt ist.
Am Samstag steht dann der offizielle Empfang auf dem Programm. Mit der Pferdekutsche geht es an der Seite von Vorgängerin Christina Schneider hinaus zum Musikerheim. Das platzt bald aus allen Nähten. Jeder will dabei sein. Silena Werner ist gefragter Gesprächspartner der Medienvertreter. Hier eine Kamera. Dort ein Mikrofon. Fragen über Fragen. So langsam scheint sie angekommen zu sein in ihrem Amt.

Erst die dritte Weinkönigin aus dem Landkreis
Wie die neue Weinkönigin strahlt auch Bürgermeister Herbert noch immer über das ganze Gesicht. In 62 Jahren hat der Landkreis Schweinfurt nur ganze dreimal die Fränkische Weinkönigin gestellt. Zweimal Zeilitzheim, nun zum ersten Mal Stammheim – aber immer die Großgemeinde Kolitzheim. „Der gestrige Nachmittag war für uns unvergesslich“, spricht Herbert vielen im Saal aus dem Herzen. Silena Werner prophezeit er: „Du wirst dich entwickeln und in einem Jahr eine ganz andere Persönlichkeit sein wie heute.“

Reisetasche mit Zahnbürste
Auch Landrat Florian Töpper freut sich. Über die Krone. Aber auch darüber, dass die beiden anderen Kandidatinnen aus Sulzfeld und Fahr, Alisa Hofmann und Mirjam Kirch, auch zum Empfang gekommen sind: „Es ist ein wichtiges Zeichen, dass ihr euch trotz aller Konkurrenz als Freundinnen gefühlt habt.“ Für Silena Werner hat er eine Reisetasche mit Landkreis-Logo mitgebracht. Eine Zahnbürste hat er schon einmal eingepackt.
Ein Gag, der Silena Werners launige Einlassung auf der großen Wahlbühne aufgriff, der Zahnarzt habe bei ihr kürzlich statt Zahnstein wohl Weinstein entfernen müssen – bei all den Weinen, die sie in der Vorbereitung probiert habe.
Beeindruckt vom Zusammenhalt der Stammheimer und vom großen Bahnhof für die neuen Weinkönigin zeigt sich Amtsvorgängerin Christina Schneider aus Nordheim. Natürlich weiß sie noch genau, wie man sich in so einem Moment fühlt. „Du bist in einem Rausch intensivster Emotionen“, meint sie und trifft Silenas Werners Seelenleben damit wohl ziemlich genau. Für die kommenden zwölf Monate wünscht Schneider ihrer Nachfolgerin, „dass du mit deinem Charme und deiner Ausstrahlung die Herzen der Menschen berührst“.

Globuli gegen die Aufregung
Michael Scheller vom Stammheimer Weinbauverein hat sich scheinbar auch wieder gefangen. Am Wahltag nämlich, so gibt er zu, war er alles andere als entspannt. „Ich hab' zum ersten Mal in meinem Leben Globuli genommen“, verrät er. Nun aber plagen ihn schon andere Probleme. Denn Silena Werner ist Schriftführerin des Winzervereins. Und die wird nun viel unterwegs sein. „Bekommen wir da Ersatz von ihnen?“, fragt er in Richtung des Präsidenten des Fränkischen Weinbauverbandes, Artur Steinmann.

Dazu hält dieser sich bedeckt. Aber er malt Silena Werner ihre Amtszeit, „365 wundervolle Tage“, in den buntesten Farben aus. Steinmann spricht von den ersten Terminen wie Bäumchen pflanzen, Interviews geben und Minister besuchen sowie von Reisen in ferne Länder wie Japan und China. Viele Herausforderungen warten auf eine Weinkönigin, etwa „auch mal Speisen zu sich zu nehmen, die nicht unseren Gewohnheiten entsprechen“. Silena Werner geht solche Aussichten ebenso „tiefenentspannt“ an wie die Wahl tags zuvor. Sie lächelt und beißt erst einmal in ein ein ganz bodenständiges, fränkisches Schinkenstängchen.

 

 

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