Im ständigen Anflug auf Neues

07.04.2017

Mainpost 07.04.2017

STAMMHEIM
Im ständigen Anflug auf Neues

Der Start war nicht einfach, die Gefahr als Militarist hingestellt und in die rechte Ecke gedrängt zu werden, war damals wie heute groß“, stellt Günter Weißenseel rückblickend fest. Dabei ist er fest davon überzeugt: „Panzer gehören ins Museum und nicht an eine Front außerhalb der Landesgrenze.“
Ein Museum für Militär- und Zeitgeschichte inmitten des Weinlands an der Mainschleife, das sei obendrein vor 20 Jahren für viele unvorstellbar gewesen, erinnert sich der Motor des Projekts.

Den Anfang machte ein bescheidener Tag der offenen Tür

Und dennoch ist aus einem Tag der offenen Tür im Juni 1997 im Lauf der Zeit ohne jegliche öffentlichen Fördermittel das von einem gemeinnützigen Förderverein getragene größte Privatmuseum für Militärgeschichte in Deutschland entstanden.
Mit Stolz können Günter Weißenseel und seine Mitstreiter am Wochenende im Rahmen des traditionellen Museumsfrühlings das 20-jährige Bestehen feiern, mit einem großen Programm.

Spektakuläre Live-Vorführungen, Feuerwehr und mehr

Zum Saisonauftakt werden wieder Tausende von Besuchern im Museum in Stammheim erwartet. Ihnen wird am Samstag und Sonntag ein Programm mit spektakulären Live-Vorführungen, mit vielen Informationen in der Dauer- und Sonderausstellung, mit einem Geburtstagsfeuerwerk und vielem mehr geboten.
Der 20. Geburtstag ist Grund, heuer zum Museumsfrühling ausnahmsweise kein besonderes zeitgeschichtliches Ereignis herauszugreifen. Stattdessen gibt es das Beste vergangener Museumsfeste zu sehen.
Bei einem epochenübergreifenden Treffen zeigen professionelle Darsteller und Zivilisten in zeitgenössischer Kleidung und unter Verwendung der damaligen Bewaffnung zeitgeschichtliche Ereignisse unter militärischem wie friedlichem Einfluss. Den Schwerpunkt bilden drei Publikumsrenner früherer Tage.

Das Beste vergangener Museumsfeste

„Vom bunten Rock zum Feldgrau“ beleuchtet die Kaiserzeit bis zum Ersten Weltkrieg, inklusive Stellungskrieg, in der nachgebauten Bunkeranlage. „Die Amis kumma“ zeigt das Ende des Zweiten Weltkriegs mit dem Einmarsch der Amerikaner in Franken, unter Mitführung der weltgrößten Böllerfeldkanone „Long Tom“. „Bundeswehr und Nationale Volksarmee – Brücken verbinden“ erinnert an die deutsche Wiedervereinigung, wozu der Brückenlegepanzer M48 symbolisch nochmals einen Grenzzaun überwinden wird.
Dazu kommen das Thema „Die Feuerwehr – Hilfsorganisation seit 150 Jahren in Krieg und Frieden“ mit Brand-, Berge- und Löschvorführungen sowie das aus Anlass der 20-Jahr-Feier vorgezogene Oldtimertreffen mit „Fahrzeugen älter als 30 Jahre“.

Galerie umfassend erweitert

Viel getan hat sich vor allem auf der Galerie in Halle 2. Die dortige Ausstellung wurde in den Wintermonaten erweitert und umgebaut. Im Bereich der Sonderausstellung wurden neue Vitrinen aufgestellt, um insbesondere der Zeit von 1866 bis 1918 auf einer Ebene einen festen Platz zuzuweisen.
In dieser Abteilung wurde fränkische Geschichte im Zeichen der preußischer Kaiserdynastie zusammengefasst, vom Fränkischen Reichskreis zur Mitte des 18. Jahrhunderts bis zum Ende des Ersten Weltkriegs. Im Anschluss folgt die Darstellung der Zeit vom Kaiserreich zum Nationalsozialismus und der des Zweiten Weltkriegs (1939-1945).

Bilder und Plakate aus 20 Jahren Museumsbetrieb

Meterlange Collagen aus Bildern und Plakaten lassen auf der Galerie auch die 20 Jahre des Museums noch einmal vor dem Auge ablaufen.
Museums-Initiator Günter Weißenseel kann seine Gefühle in dem Moment, als er seinen Blick über die Bilderwand schweifen lässt, nicht verbergen: „Es ist wahnsinnig interessant und beeindruckend zu sehen, wie alles entstanden und gewachsen ist.“ Mitstreiter Erhard Schumacher aus Iphofen unterstreicht: „Es ist schon irre, wenn man die Bildercollagen entlanggeht. 20 Jahre sind eine Menge Holz.“

Der „Clooney-Panzer“

Längst ist das Museum auch ein gefragter Leihgeber von Militärfahrzeugen, Requisiten und Darstellern für Kino- und Fernsehproduktionen. Bestes Beispiel ist der „Clooney-Panzer“ aus Stammheim. Hollywood-Legende George Clooney war darin im Film „The Monuments men – Ungewöhnliche Helden“ zu sehen.
Begonnen hatte die Geschichte des Museums 1994 mit einem Treffen von Modellbauern, Oldtimerfreunden und Geschichtsinteressierten, die ein gemeinsames Hobby einte: Zeitgeschichte mit Schwerpunkt Militärtechnik.

Kontinuierlicher Auf- und Ausbau seit 1997

Die Präsentation ihrer ersten kleinen Sammlung 1997 auf ganzen 400 Quadratmetern war die Geburtsstunde des Museums. Das Interesse daran übertraf alle Erwartungen. Es folgte ein kontinuierlicher Ausbau des Museums, der Bau mehrerer Hallen, die Einrichtung eines großen Freigeländes und die Eröffnung einer eigenen Museumsgaststätte für die Besucher.

Die Geburt des Panzerbabys

Stillstand ist für Günter Weißenseel ein Fremdwort. Oder wie es Erhard Schumacher anerkennend ausdrückt: „Er ist immer im Anflug auf irgendetwas Neues.“
Dazu zählt am Samstagnachmittag die kinomäßig inszenierte Geburt von Panzerbaby Goliath als besonderer Anziehungspunkt. Es ist Liebe auf den ersten Panzerblick zwischen Panzermama M113 und Panzerpapa M48, dem der detailgetreue Nachbau des ferngesteuerten Sprengstoff transportierenden Minipanzers sein Panzerleben verdankt.
Unter lautem Schall und viel Rauch erblickt „Goliath“ schließlich bei seiner Geburt das Licht der Welt.

Das Programm am Samstag und Sonntag

Eröffnet wird der Museumsfrühling am Samstag, 8. April, mit dem Festakt um 10 Uhr in der Festhalle. Im Zuge des Rundgangs um 12.30 Uhr wird die Galerie-Erweiterung offiziell eröffnet.
Den Abend beschließt das gemütliche Beisammensein mit Darstellern und Gästen, in dessen Verlauf um 22 Uhr das von einem Gönner gestiftete Jubiläumsfeuerwerk abgeschossen wird.
Fixpunkte am Sonntag, 9. April, sind das Weißwurstfrühstück um 10 Uhr und der Abbau des Feldlagers um 17 Uhr.
Dazu gibt es weitere Höhepunkte an beiden Tagen wie Essen aus der Feldküche und Feldbäckerei, Fahrten mit der Museums-Feldbahn und mit Panzern im Gelände, Museumshistorie, Funktions-Modellbau und die Live-Vorführungen.

 

 

 

 

Museum für Militär- und Zeitgeschichte Stammheim

Deutschlands größtes Privatmuseum für Militär- und Zeitgeschichte in Stammheim gewährt einen Einblick in verschiedene zeitgeschichtliche Epochen unter besonderer Fokussierung auf militärische Ereignisse und Kriege.
Der Bogen spannt sich über einen Zeitraum von 200 Jahren fränkischer und deutscher Geschichte von der napoleonischen Ära bis zur Wiedervereinigung. Auf 17 000 Quadratmeter größtenteils überdachtem Museumsgelände, machen über 250 Rad-, Ketten-, Wasser-, Luftfahrzeuge und Großgeräte Geschichte begreifbar und lebendig. Die Bandbreite der über 20 000 Exponate in den Hallen und im Freigelände reicht von der Urkunde und dem Foto bis hin zum Düsenjäger. Komplexe Aufbauten und aufwändig dekorierte Szenen vermitteln einen Eindruck des Soldatenalltags im Laufe der Jahrzehnte in dem Museum, das ständig erweitert wird. Neben der militärtechnischen Entwicklung sind zeitgeschichtliche und zivile Epochen eingebunden. Eine voll funktionstüchtige Dorfschmiede und Schreinerei, sowie die alte Scheune und eine original eingerichtete Küche, künden so vom bäuerlichen Leben und dem Handwerk zur Mitte des 19. Jahrhunderts. Kontakt und Information: Museum für Militär- und Zeitgeschichte Stammheim, Tel. (0 93 81) 92 55, E-Mail: info@museum-stammheim.de, Internet: www.museum-stammheim.de

 

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