In Spiesheim gab es einst 14 Ritter

26.07.2016

Mainpost 26.07.2016

SPIESHEIM

In Spiesheim gab es einst 14 Ritter
Als frühfränkische Siedlung trägt „Speozesheim“ (Speoze=Spieß) den Namen eines verdienten Franken aus der Zeit der Landnahme.
Auf Grund von Streufunden ist nachgewiesen, dass bereits zur Mittelsteinzeit (15 000 v. Chr.) Jäger und Sammler hier durchzogen. Reichere Quellen sind Funde der Jungsteinzeit, als die Menschen Ackerbau betrieben; ebenso wohnten hier die Kelten, die von den Germanen nach Südosten abgedrängt wurden.

Das ursprüngliche Spiesheim
Nach der Völkerwanderung kamen die Franken im 6. Jahrhundert hierher. Eine Siedlung zwischen Ober- und Unterspiesheim vom 6. bis 9. Jahrhundert ist nachgewiesen, die urkundlich im Jahre 791 zusammen mit Kolitzheim durch eine Schenkung der „Hruadunne“, Gemahlin des Hiltrich, an das Kloster Fulda genannt wird. Als weitere kirchliche Besitzer treten später Ebrach, Theres, Heidenfeld und Ilmbach auf, als das Herzogtum Würzburg die Oberherrschaft ausübte.
Die Ritter von Spiesheim, 14 Namensträger sind bekannt, waren als Ministeriale (Dienstmann des Bischofs) in weltlichen und kirchlichen Ämtern tätig. 1248 wird Unterspiesheim erstmals als eigene Siedlung aufgeführt. Das Kloster Ebrach erwirbt das Zehntrecht in Ober- Mittel- und Unterspiesheim. Es ist davon auszugehen, dass es nur eine Siedlung namens Spiesheim gab und nach neuester Erkenntnis muss sie sehr weitläufig angelegt gewesen sein. Die ursprüngliche Siedlung Spiesheim soll nach umfangreichen Ausgrabungen und Funden zwischen den beiden Orten gelegen haben. Der „Purkstal“ (Burgstelle) wird 1275 an Ebrach veräußert und abgebrochen.

Bauernaufstand
Im 16. Jahrhundert erhoben sich die Bauern gegen Willkür und Ausbeutung. Im Jahr 1525 bricht der Sturm des Aufruhrs los. Furchtbar war der Aufstand, schrecklich und grausam die Vergeltung.
Manchmal mutet die Geschichte wie eine lange Auflistung von Kriegen an. Der schrecklichste aber muss der Dreißigjährige Krieg gewesen sein. Das Dorf Lindelach existierte überhaupt nicht mehr, in Röthlein war keine Menschenseele mehr anzutreffen, in Traustadt waren von 62 Häusern 60 zerstört. Über Unterspiesheim schrieben die Chronisten: „Nur eine Handvoll Menschen haben den Krieg überlebt“.

Glückliche Zeit
Das 18. Jahrhundert war eine glückliche Zeit, die Franken erlebt hat. Die Schönborn-Bischöfe, die Bau-Bischöfe, wie sie auch genannt wurden, hatten die Bischofsstühle von Würzburg und Bamberg inne. Sie haben in Balthasar Neumann den Mann gefunden, der barocke Phantasie in Stein und Raum zu übersetzen wusste. Er schuf diesen kraftvollen, lebenssprühenden Barock, der für dieses mainfränkische Land wie geschaffen schien. Die schönsten Zeugnisse aus dieser Zeit sind wohl die Würzburger Residenz und die Wallfahrtskirche Vierzehnheiligen im oberen Maintal. Als dieses Jahrhundert sich anschickte zu Ende zu gehen, wurde mit dem Bau der Kirche St. Sebastian begonnen und diesen 1790 beendet. 1835 erhielt Unterspiesheim zum ersten Mal Hausnummern, 80 Wohnhäuser hatte das Dorf damals.
Die Freiwillige Feuerwehr wurde 1851 ins Leben gerufen. 1898 nahmen die Spiesheimer die Idee des Wilhelm Raiffeisen auf und gründeten die Spar- und Darlehenskasse.
Für Europa gingen 1914 die Lichter aus. Der 1. Weltkrieg brach herein und 18 Unterspiesheimer verloren ihr Leben auf den Schlachtfeldern in Frankreich und Flandern. Dann kam das Dritte Reich. Ein Blutbad in ganz Europa war das Werk der braunen Machthaber. 35 Unterspiesheimer starben auf den europäischen Kriegsschauplätzen.

In der ersten Nachkriegszeit erhöhte sich die Einwohnerzahl, bedingt durch den Zuzug der Heimatvertriebenen, auf 825.

Zu den News