Jahrhundertelang gab das Kloster den Ton an

15.09.2016

Mainpost 15.09.2016

Unterspiesheim

Jahrhundertelang gab das Kloster den Ton an

Am 12. September 791 taucht der Name Spiesheim in einer Schenkungsurkunde an das Kloster Fulda zum ersten Mal schriftlich auf. Ein Grund, im Rahmen der 1225-Jahr-Feier dieses Datum mit einem Urkundenfest zu begehen. Zugleich feierte man den vorläufigen Abschluss der Außen- und Innenrenovierung der Pfarrkirche St. Sebastian in Unterspiesheim (wir berichteten).
Pfarrer Thomas Amrehn begrüßte Kreisheimatpfleger Stefan Menz. Er freute sich, dass Menz sich sofort bereiterklärt hatte, den Festvortrag zu übernehmen und einen Einblick in die wechselvolle Geschichte der Verbindung von Spiesheim zur Abtei Ebrach zu geben.
Stefan Menz freute sich, dass die Renovierung der Kirche St. Sebastian so gut gelungen ist. Er dankte auch Josef Ortner dafür, dass er sich um die Ortsgeschichte von Spiesheim kümmert.

Ebrach war das erste Zisterzienserkloster rechts des Rheins in Deutschland. Die Abtei habe sich nach ihrer Gründung 1127 schnell zur größten und bedeutendsten Abtei im Bistum Würzburg entwickelt. Die Würzburger Fürstbischöfe strebten daher immer danach, dass Ebrach ihnen unterstellt ist.

Bischöfe gegen Äbte

Die Ebracher Abtei dagegen wollte nicht unter der Herrschaft des Bischofs stehen. Dabei arbeiteten beide Seiten nicht immer mit sauberen Mitteln: Ebrach versuchte zu beweisen, dass das Kloster allein dem Kaiser unterstellt ist, also die Reichsunmittelbarkeit besitze; die Fürstbischöfe versuchten, Gegenbeweise zu finden.
So legte Fürstbischof Melchior Zobel von Giebelstadt, von 1544 bis 1558 Bischof von Würzburg, eine päpstliche Urkunde vor, die beweisen sollte, dass die Fürstbischöfe Visitationsrecht in Ebrach hätten, das heißt dass die Abtei dem Fürstbischof unterstellt sei. Die Urkunde war vermutlich gefälscht.
Die Würzburger Bischöfe der Zeit von 1287 bis 1573 ließen ihre Herzen in der Abteikirche Ebrach begraben: Ein Zeichen für den Anspruch, dass Ebrach ihnen untersteht. Erst Julius Echter beendete diese Tradition. Dass das Kloster Ebrach sehr schnell sehr reich werden konnte, verdankt es vor allem dem Gründer-abt Adam, der von 1127 bis etwa 1169 regierte. Er wirtschaftete gewinnbringend und versuchte Liegenschaften zu erwerben, die innerhalb eines Tages vom Kloster aus erreichbar waren.
So ist der Erwerb eines Hofes in Sulzheim schon im Jahr 1148 urkundlich erwähnt. Bereits 1136 hatte der Abt den Besitz des Klosters in vier landwirtschaftliche Wirtschaftsbezirke eingeteilt. Spiesheim gehörte zum Gebiet des Ebracher Amtshofes in Sulzheim, einem der ältesten und wirtschaftlich bedeutendsten Amtshöfe der Abtei.
Für das Gebiet von Spiesheim ist bereits um 1310 ein Eigenbetrieb mit eigener Landwirtschaft dem Sulzheimer Amtshof untergeordnet. Im gleichen Jahr schenkt König Heinrich VII. den Hof in Spiesheim der Abtei und verbietet, dass diesem Hof irgendwelche Abgaben abverlangt werden.

Fortschrittliche Technik

Die Landwirtschaft blühte dank der Klöster auf: Neue Düngetechniken setzten sich durch, die zu höheren Erträgen führten. Die Teichwirtschaft wurde entwickelt. Sümpfe wurden trockengelegt und so neue Ackerflächen gewonnen. Obst wurde veredelt und neue Sorten gezüchtet, auch die Imkerei wurde gefördert. Etwa 55 Mönche lebten zur Blütezeit des Klosters in Ebrach.

Schlimme Zeiten brachen über das Kloster herein, als die Bauernkriege begannen. Auch im dreißigjährigen Krieg litt das Kloster schweren Schaden: 1631 wurde das Kloster von den Schweden gestürmt und ausgeräumt. Die Mönche führten Klage, dass „nicht ein Tropfen Wein blieb“.

Ein Unterspiesheimer als Abt

In dieser schwierigen Zeit war ein gebürtiger Unterspiesheimer Abt des Klosters Ebrach: Heinrich IV. Pförtner leitete das Kloster von 1641 bis 1646. Die kriegerischen Umstände hatten ihn als jungen Mönch gezwungen, für vier Jahre ins Mutterkloster der Zisterzienser nach Clairvaux in Frankreich zu fliehen. 1633/34 kam er zurück nach Ebrach.
Mit der Säkularisation im Jahr 1803 endete die etwa 600 Jahre währende Verbindung von Spiesheim zum Kloster Ebrach. Auf dem Gebiet der Diözese Würzburg wurden neben Ebrach 42 andere Klöster aufgelöst. Ebrach selbst wurde dem Erzbistum Bamberg zugeschlagen.
Für die Bauern in den Klosterdörfern ergab sich danach die Möglichkeit, das Ackerland zu erwerben. Dafür wurden an vielen Orten Genossenschaften gegründet – Vorläufer der heutigen Genossenschaftsbanken –, um die Ackerkäufe finanzieren zu können.

Unterspiesheim war bis 1923 eine Filiale der Pfarrgemeinde Herlheim. Erst 1953 wurde es, zusammen mit Oberspiesheim, eine eigene Pfarrei.
Kreisheimatpfleger Menz hatte für die Gemeinde Kolitzheim, die Pfarrgemeinde Spiesheim und für den Ortshistoriker Josef Ortner je ein Exemplar eines Nachdrucks des Gesamturbars des Klosters Ebrach aus dem Jahr 1340 als Geschenk mitgebracht. Darauf ist der damalige Gesamtbesitz des Ebracher Klosters aufgezeichnet. Das Kloster war zur Zeit der Säkularisation das reichste Kloster in Franken: über 30 000 Gulden waren damals allein in der Barkasse der Abtei.

 

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