Kolitzheim zu Veränderungen bei Ganztagsbetreuung gezwungen

28.10.2016

Mainpost 28.10.2016

KOLITZHEIM

Kolitzheim zu Veränderungen bei Ganztagsbetreuung gezwungen

 

Hauptthema der jüngsten Sitzung des Kolitzheimer Gemeinderats war die Zukunft der Schulkindbetreuung an der Grundschule.

Daher waren Rektorin Michaela Kirchner und Konrektorin Hildegard Hermann zur Sitzung des Gemeinderats eingeladen. Auch einige Vertreterinnen des Elternbeirats waren gekommen, um die Diskussion zu verfolgen, an ihrer Spitze die Elternbeiratsvorsitzende Ruth Mader.

Die zweizügige Grundschule sei auf drei Schulgebäude in Herlheim, Zeilitzheim und Stammheim verteilt, schilderte Bürgermeister Horst Herbert die Lage. Die Evaluation habe insgesamt positive Ergebnisse für die Grundschule ergeben. Einziges Manko sei, dass die Mittagsbetreuung den aktuellen gesetzlichen Bedingungen nicht mehr genüge.

Die Räume für die Mittagsbetreuung müssten „in der Schule oder in deren unmittelbarem Umfeld“ sein. Die Staatsregierung hat als Ziel ausgegeben, dass bis 2018 an allen Schularten ein bedarfsgerechtes Ganztagsangebot zur Verfügung stehen müsse. Die offene Ganztagsbetreuung, so Bürgermeister und Rektorin übereinstimmend, wäre die Form, die nach aktuellem Kenntnisstand den Bedürfnissen von Eltern und Kindern am besten entsprechen würde.

Nach den veränderten gesetzlichen Vorgaben sei eine Mittagsbetreuung, wie sie zum Beispiel im Kindergarten Oberspiesheim stattfindet, nicht mehr zulässig. Laut Bescheid der Regierung von Unterfranken sei es auch nicht möglich, die Räume im Gemeindezentrum in Unterspiesheim zu nutzen. Begründung: die Voraussetzung „unmittelbare Nähe zum Schulgebäude“ sei nicht erfüllt.

Die Frage des Bürgermeisters bei der Regierung nach finanzieller Förderung, um die geforderten Räume zu schaffen, blieb bis jetzt ohne Antwort. In den drei Schulgebäuden stehen keine Räume zur Verfügung, die die gesetzlichen Voraussetzungen erfüllen.

Eine Schule als Vision

Rektorin Michaela Kirchner informierte über die aktuellen Überlegungen der Schulfamilie. Elternbeirat und Eltern seien über die Entwicklung informiert und eingeladen Vorschläge und Wünsche zu äußern. Eine unverbindliche Bedarfsabfrage habe großes Interesse an der Ganztagsbetreuung ergeben.

Von den etwa 100 Erziehungsberechtigten, die die Umfrage beantworteten, gaben elf an, dass sie eine Mittagsbetreuung bis 14 Uhr wünschen, 31 wünschten sich diese bis 16 Uhr. 29 Eltern wünschten sich diese Betreuung täglich, 26 nur an einzelnen Tagen. In den Ferien wünschten sich 31 Erziehungsberechtigte eine Betreuung.

Nach augenblicklicher Lage könnten zwei Gruppen für die Mittagsbetreuung gebildet werden. Etwa ein Drittel der Eltern wünschte sich eine Betreuung mit Mittagessen.

Die Gemeinderäte folgten interessiert den Ausführungen der Schulleiterin zu den Anforderungen des Gesetzgebers, zu denen ein Raum für Zubereitung des Mittagessens gehört, einer für die Einnahme des Essens, ein Raum für Bewegungsmöglichkeiten, Personalräume, Räume für individuelle Förderung der Schüler, ein Raum für Hausaufgabenbetreuung und mehr.

Ihre Vision sei, dass man ein einziges Schulgebäude zur Verfügung habe, das über die ausreichende Zahl von Klassenräumen und eine gute räumliche Ausstattung für die Erfordernisse der Ganztagsbetreuung verfüge, sagte Kirchner. Ihr sei allerdings klar, dass dieses Ziel noch weiter weg sei.

„Wir können keine neue Schule für zehn Millionen bauen“, sagte Gemeinderat Walter Wiegand. Die Diskussion drehte sich nun darum, wie man schnell die Forderungen des Gesetzgebers für die Ganztagsbetreuung erfüllen können. Martin Mack stellte fest, dass man Lösungen finden müsse, die nicht viel kosten, wenn längerfristig angedacht sei, als Lösung ein einziges Schulhaus samt Ganztagsbetreuung zu bauen.

So wurde überlegt, die Ganztageseinrichtung im Erdgeschoss der Schule in Herlheim vorzusehen. Bürgermeister Horst Herbert gab zu bedenken, dass die Schule schwer zu erweitern sei, da Flächen fehlen. Die Nutzung der Raiffeisenbank in Zeilitzheim scheide aus. Der Umbau wäre zu teuer, und außerdem müsste erst geklärt werden, ob die geforderte Nähe zur Schule erfüllt wäre.

Die Nutzung des Sportheims in Herlheim, die Gemeinderätin Katharina Graf vorschlug, scheitere an der zu großen Entfernung. Ins Spiel gebracht wurden auch Container. Gemeinderat Walter Wiegand war der Meinung, Herlheim sei „der richtige Standort“, man könne Halle und Sportheim nutzen. Sein Vorschlag, mit Gemeinderat und Schulleitung vor Ort zu gehen und Lösungen zu suchen, fand die Zustimmung der Räte und der Rektorinnen.

Definition

Offene und gebundene Ganztagsschule

Schulen mit Angeboten der ganztägigen Förderung und Betreuung im Anschluss an den normalen Vormittagsunterricht werden vom Kultusministerium als „Offene Ganztagsschulen“ bezeichnet.

Schulen, an denen ein Ganztagszug mit häufig rhythmisiertem Unterricht bis in den Nachmittag hinein eingerichtet ist, werden dagegen als „Gebundene Ganztagsschulen“ bezeichnet. es

 

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