Noch Kapazitäten beim Winterdienst

10.03.2017

Mainpost 10.03.2017

KOLITZHEIM/GEROLZHOFEN

Noch Kapazitäten beim Winterdienst

Auf der Flucht vor einer vermeintlichen Gefahr übersieht eine Gazelle einen Baum und prallt mit voller Wucht dagegen. Die Löwen, die dort sitzen und vor der die Gazelle hatte fliehen wollen, schauen gelangweilt in der Gegend herum.
Dann wird eine weitere Gazelle von einem Geparden gejagt. Beide werden von einem Mann überholt, der die Gazelle davonträgt und den Geparden frustriert zurücklässt.
Mit diesen beiden kurzen Filmszenen stimmte Erwin Balles, Geschäftsführer der Maschinenringe Deutschland und des Bundesverbands der Maschinenringe, seine Zuhörer auf einen Vortrag über das „Betrieb und Familie - wie halte ich beides in Balance?“ ein. Ort des Vortrages ist das Sportheim des SV Kolitzheim.
Seine Zuhörer sind die Mitglieder des Maschinenringes Gerolzhofen, die sich zur Jahresversammlung getroffen haben.
Der Vortrag ließ sich auch mit „Wie setze ich meine Zeit sinnvoll ein“ überschreiben. Obwohl die Landwirte der heutigen Zeit durch immer modernere Maschinen immer mehr Zeit einsparen, vergeuden sie sie an anderer Stelle. Etwa bei der Büroarbeit, wenn ein übervoller Schreibtisch von eigentlichen Arbeiten ablenkt. „Büro aufräumen übernehmen wir für sie auch als Dienstleistung“, nennt Balles eine mögliche Lösung.
Wobei es auf effizientes und effektives Arbeiten ankomme. „Effizienz heißt, die Dinge richtig zu machen, und Effektivität, die richtigen Dinge zu tun“, erklärte er. Müsse denn ein Betriebsleiter wirklich alles wissen, können und machen? Oder könne er nicht effektiver sein, wenn er Arbeiten delegiert? „Denken sie wie ein Orchester-Dirigent, der auch nicht besser Geige spielen muss als der erste Geiger“, riet Balles.
Und: Die Landwirte sollten auch an ihre Familien denken, vor allem die Ehepartner. „Verschieben sie nicht ständig einen Urlaub, machen sie ihn einfach mal“, ermunterte er seine Zuhörer. Dazu gehöre auch, etwa dem Sohn zu vertrauen, der den Hof in der Zeit weiterleiten würde.

Brief an sich selbst

Letztlich gab er den Landwirten einen ungewöhnlichen Tipp mit. „Schreiben sie sich selber einen Brief, wie der derzeitige Zustand ist und wie sie ihn sich in zehn Jahren wünschen. In zehn Jahren öffnen sie diesen Brief. Dann sehen sie, wo sie tatsächlich stehen.“
In der Mitgliederversammlung stand auch der Jahresbericht 2016 (siehe „Der Maschinenring Gerolzhofen in Zahlen“) auf dem Programm, vorgetragen vom Geschäftsführer Michael Mikus.

Nach wie vor „suchen wir Personal in den Bereichen Weinbau und Milchvieh in Festanstellung“, sagte Mikus. Leider habe sich die Güllegemeinschaft Gerolzhofen aufgelöst. Aktuell werde deren Technik verkauft, berichtet er.
Dem Thema Gülle und Gülleverordnung hatte sich auch Joachim Dömling vom Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten aus Schweinfurt in seinem Grußwort zugewendet. Sie trete wohl nach der nächsten Ernte in Kraft, berichtet er. „95 Prozent der strittigen Punkte sind ausgehandelt.“ Der umstrittene Unkrautvernichter Glyphosat werde es seiner Ansicht nach schwer haben, zugelassen zu werden. „Da suchen wir noch nach kostengünstigen Lösungen.“

Für den Winterdienst, sagte Alexander Bönig von der Service-GmbH des Maschinenrings, „haben wir noch einiges an Potenzial. Da können wir noch den einen oder anderen Auftrag bekommen.“ Er verwies außerdem auf die Möglichkeit, effiziente Schlepper von der Baywa über den Maschinenring zu buchen.
In seinem Kassenbericht nannte Alexander Nicklaus von der Steuerberatungsgesellschaft „Berata“ für das vergangenen Jahr einen Betrag von etwas mehr als 200 000 Euro als Gewinn des Maschinenrings.Als einen der letzten Punkte der Mitgliederversammlung ehrte der Vorsitzende des Maschinenrings Gerolzhofen, Karl-Johann Wehner, die Büroangestellte Irene Haupelshofer für zehn Jahre Büroarbeit.

Der Maschinenring Gerolzhofen in Zahlen (Auszüge)

Mitgliederzahlen Mitglieder: 804; davon Landwirte: 723; Fördernde Mitglieder: 81; Mitgliederfläche: 28172 Hektar; Durchnittliche Betriebsgröße: 38,97 Hektar.
Aufträge Auftraggeber: 335 Mitglieder; Auftragnehmer: 55 Mitglieder; Auftraggeber und Auftragnehmer: 159.
Umsatz aus Maschinenvermittlung:
Schlepper: 180 083 Euro; Transport: 1 191 016 Euro; Hackfruchternte: 473 494 Euro; Weinbau: 643 323 Euro.

Betriebshilfe:
Einsatzstunden: 47 506; davon soziale Betriebshilfe: 9420; davon wirtschaftliche Betriebshilfe: 38 086;
Haushalts- und Betriebshelfer: 5 Frauen, 35 Männer; Manuela Feldhäuser (hauptberufliche Dorfhelferin): 5 Einsätze, 763 Stunden.
Maschinengemeinschaft der Zuckerrübenanbauer (Zeil Ost)
Anbauer: 850; Anfuhrtage: 89; Anbaufläche: 4858 Hektar; Zuckerrüben geladen: 292 834 Tonnen; LKW-Fahrer: 193; Mausfahrer: 13 (Maus: Fahrzeug zur Reinigung und Einlagerung von Zuckerrüben).
Bioenergie Oberspiesheim
Lieferanten: 27; Stromerzeugung: 19 366 Megawattstunden; Wärmeabgabe Gärtnerei: 8889 Megawattstunden; Beliefert mit: Ganzpflanzensilage von 128 Hektar Anbaufläche, Mais von 486 Hektar Anbaufläche, 1232 Tonnen Festmist.
Ring für Familiendienstleistungen
Helferinnen: 9; Einsätze: 49; Einsatzstunden: 7737.

 

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