Raser und Rübenlaster

25.02.2017

Mainpost 25.02.2017

 

GERNACH

Raser und Rübenlaster

Eine Fülle von Fragen an Bürgermeister Horst Herbert hatten die Bürger im vollbesetzten TSV-Sportheim in Gernach, sodass sich nach dem Bericht über die aktuellen Projekte der Gemeinde (wir berichteten) eine lebhafte Frage- und Antwortrunde entwickelte.
Peter Claassen äußerte die Befürchtung, dass hohe Kosten auf die Anlieger zukämen, wenn Straßen und Gehsteige aufgerissen werden, um Glasfaser-Leitungen für den Breitbandausbau zu verlegen und die Kanalisation zu erneuern. Dem widersprach der Bürgermeister nicht. Er gab aber zu bedenken, dass man durch die technische Entwicklung dazu gezwungen sei.
Dass die Pflanzecken entlang der Aegidiusstraße in keinem schönen Zustand seien, bemängelte Edmund Schneider. Die Pflege dieser Pflanzungen sei mit den Anliegern vereinbart worden, so die Antwort.
Edwin Pohli berichtete, dass vor seinem Anwesen die vorgeschriebene Höchstgeschwindigkeit häufig überschritten werde. Die von der Gemeinde vorgenommenen Messungen erkenne die Polizei nicht an. Gelegentliche Messungen der Polizei brächten keine ähnlichen Ergebnisse, antwortete der Bürgermeister.
Der Kritik von Thomas Treutlein, dass die Gemeinde bei der Planung von Baugebieten nicht weitsichtig gewesen sei, hielt der Bürgermeister entgegen, dass man vom Landratsamt und der Regierung Baugebiete nicht genehmigt bekomme, wenn kein Bedarf vorliege. Dies sei in Gernach lange der Fall gewesen.
Außerdem gelte der Grundsatz „Innenentwicklung vor Außenentwicklung“. Von höherer Stelle verweise man immer auf die Leerstände in den Altorten. Im letzten Jahr seien 140 000 Euro für Fördermaßnahmen ausgegeben worden, wenn Anwesen in Altorten saniert worden seien.
Mit Sorge sieht auch der Bürgermeister die Entwicklung, die Peter Claassen ansprach, dass nämlich Bauplätze zu 80 bis 90 Prozent an Ortsfremde verkauft würden, die wenig Anteil am örtlichen Vereinsleben nähmen. Das sei der Trend dieser Generation, so der Bürgermeister.
Robert Back beklagte sich über die Lärmbelästigung durch die nächtlichen Fahrten der Zuckerrüben-Lkw an seinem Anwesen vorbei. Die anwesenden Fahrer Bruno Back und Alban Weilhöfer hielten entgegen, dass man irgendwo fahren müsse. Dass der Gehsteig am Anwesen Winfried Nickels beschädigt worden sei, sei einer Fehlplanung der Fahrtroute geschuldet gewesen, so Back. Er habe aber möglichst schnell Abhilfe geschaffen, berichtete er. Andrea Heck appellierte an die Toleranz: „Jeder von uns will essen und trinken, da könne man diese Belästigung einen Tag aushalten“, so ihre Meinung.
Wiederholt Gegenstand der Kritik war der Belag der Hauptwege im Gernacher Friedhof. Der Bauausschuss habe eine Ortsbegehung vorgenommen und sehe keine Notwendigkeit, etwas zu ändern, lautete Herberts Antwort.
Dass der Verbindungsweg nach Lindach nur drei Meter breit asphaltiert wurde, bedauerte Bernhard Berchtold. Landwirtschaftliche Fahrzeuge seien 3,5 Meter breit. Ihren Fahrer falle es schwer, auszuweichen, wenn Gegenverkehr komme. Die Breite entspreche der Normgröße von Flurbereinigungswegen, informierte der Bürgermeister. Ein breiterer Ausbau werde nicht bezuschusst.
Alois Walter fragte nach der Zukunft der Feuerwehren. Der Bedarfsplan für die Wehren sei noch nicht fertig. Daher könne er wenig sagen, antwortete Herbert. Klar sei aber: „Wir müssen über die Struktur nachdenken“, angesichts der Tatsache, dass in manchen Ortsteilen die Ausrückstärke gefährdet sei. Junge Leute seien Mangelware, ältere quittierten den Dienst, weil die Umstellung auf Digitalfunk nicht mehr ihre Sache sei.
Kritik übten Ralf Schreckenbach und Walter Endres daran, dass Bankautomaten abgebaut wurden, auch in Gernach. Eine Genossenschaftsbank solle die 20 000 Euro aufbringen, die der Geldautomat jährlich kostet. Als Aufsichtsratsvorsitzender der Bank sei er dafür verantwortlich, dass die Bank wirtschaftlich gute Ergebnisse erziele, so der Bürgermeister. Als Bürgermeister könne er die Sorgen, gerade der älteren Einwohner, gut verstehen. Mit dem Dank des Bürgermeisters für die sachliche Diskussion endete die Bürgerversammlung.

 

Zu den News