Versöhnungslauf zur Erinnerung

15.03.2017

Mainpost 15.03.2017

OBERSPIESHEIM-ZEILITZHEIM

Versöhnungslauf zur Erinnerung

Premiere: wohl zum ersten Mal in der Geschichte fand ein Versöhnungslauf statt, initiiert und durchgeführt von der Pfarrei Unterspiesheim mit ihren Filialen Oberspiesheim und Gernach.

Anlass für diesen Lauf waren die Versöhnungsfeiern deutschlandweit, zu denen sich evangelische und katholische Christen trafen, um an die Verletzungen zu denken, die man sich in den 500 Jahren nach der Reformation gegenseitig zugefügt hatte und dafür um Verzeihung zu bitten.

In unserer Region trafen sich die Regionalbischöfin Gisela Bornowski vom evangelisch-lutherischen Kirchenkreis Ansbach-Würzburg und Bischof Dr. Friedhelm Hofmann am Sonntag in der evangelischen Stadtkirche in Kitzingen zu einem gemeinsamen Gottesdienst. „Mit diesem Gottesdienst wollen die evangelisch-lutherische und die katholische Kirche im Jahr des 500. Reformationsgedenkens ein Zeichen setzen“, heißt es in einer Pressemitteilung der Diözese Würzburg.

Was im Großen geschieht, daran knüpfen die evangelisch-lutherischen Kirchengemeinden Zeilitzheim-Krautheim und die Katholische Pfarrei Unterspiesheim mit ihren Filialen Gernach und Oberspiesheim an: auch sie wollen diesen Versöhnungstag gemeinsam begehen. Die Feindseligkeiten vergangener Zeiten sollen vergeben sein, gemeinsam möchte man den Glauben an Christus in der Zukunft bezeugen.

So startete, ebenfalls am Sonntag, der „Versöhnungslauf“ an der St. Bartholomäus-Kirche in Oberspiesheim. Eine ansehnliche Schar von Erwachsenen aus den drei Gemeinden hatte sich eingefunden. Freudig überrascht war Pfarrer Thomas Amrehn, dass auch die Kommunionkinder mit ihren Eltern spontan gekommen waren.

Die erste Etappe des Versöhnungslaufes führte nach Herlheim. Dort trafen sich alle an der Schule, und der Priester gab einen Einblick in die Ziele Luthers, die er mit seinem Thesenanschlag erreichen wollte. Als Doktor der Theologie schickte Luther seine Gedanken an viele Theologen, an den Papst und an den Kaiser, fand aber zunächst wenig Beachtung. Die Erfindung des Buchdrucks mit beweglichen Lettern ermöglichte die weite Verbreitung der Schriften Luthers, und auch der Übersetzung der Bibel ins Deutsche.

Die Gläubigen sollten unmittelbaren Zugang zur Heiligen Schrift bekommen, denn nur die Heilige Schrift sei Richtschnur des Glaubens.

Die Bibelübersetzung ins Deutsche ist auch ein wichtiger Baustein für die weitere Entwicklung einer einheitlichen deutschen Sprache. Luther wendet sich gegen die damalige zum Teil ausufernde Heiligenverehrung der Kirche. Als sich viele Landesherren - zum Teil aus machtpolitischen Motiven - dem neuen Glauben zuwandten, bekam die Reformation, die Luther ursprünglich als geistige Bewegung gedacht hatte, eine ungeahnte politische Bedeutung, die Luther mit seinen Reformationsgedanken nicht beabsichtigt hatte. Seine Ehe mit Katharina von Bora begründet die Tradition protestantischer Pfarrhäuser: bis heute stehen evangelische Pfarrhäuser allen offen, im Hause Luthers wurden zum Teil mehr als 50 Personen täglich verpflegt.

In Zeilitzheim empfing Pfarrerin Victoria Fleck die Gruppe. Auch einige Mitglieder der evangelischen Gemeinde Zeilitzheim hießen die Gäste willkommen. In ihrer kurzen Ansprache machte die Seelsorgerin deutlich, dass Luthers zentrales Anliegen der Rückbezug auf das Wort Gottes gewesen sei.

Sie bedankte sich bei den Teilnehmern des Versöhnungslaufes, dass sie den Weg in die evangelische Kirche gefunden hätten. In den umliegenden Gemeinden gehörten nur wenige Christen dem evangelischen Glauben an. Dennoch sei es wichtig, sich zu fragen, was die Gemeinsamkeiten der christlichen Kirchen seien. Mit dem gemeinsam gesprochenen Vater unser und dem Segen, den Victoria Fleck mit den Worten des Abendsegens Martin Luthers erteilte, endete die kurze Feier. Alle Kommunionkinder erhielten ein Bild, das Martin Luther zeigte.

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