Wertvoller als gedacht: die Geiger-Kreuzwege in Unter- und Oberspiesheim

15.04.2017

Mainpost 18.04.2017

UNTER-/OBERSPIESHEIM

Wertvoller als gedacht: die Geiger-Kreuzwege in Unter- und Oberspiesheim

 

Kreuzwege: Im Zuge der Renovierung der Kirchen in Ober- und Unterspiesheim wurden auch die Tafeln der Kreuzwege in beiden Kirchen restauriert. Sie stammen vom Schweinfurter Maler Conrad Geiger.
Zunächst erscheinen sie gar nicht so wertvoll, die Kreuzwegstationen in der St. Bartholomäus-Kirche in Oberspiesheim und in der Kirche St. Sebastian in Unterspiesheim.
Doch die fachmännische Reinigung und Restaurierung im Rahmen der Renovierung der beiden Kirchen machte deutlich, dass diese beiden Kreuzwege bedeutende Werke des Malers Conrad Geiger sind. Nachforschungen ergaben, dass der Künstler sich selbst, seine Frau und seine Töchter auf Kreuzwegstationen dargestellt hat.
Conrad Geiger wurde 1751 in Erlangen geboren und starb 1808 in Schweinfurt. Nach dem Tod seiner Mutter – sie starb, als Conrad noch nicht einmal ein Jahr alt war – wurde er zuerst von den Großeltern aufgezogen. Im Alter von zehn Jahren musste er ins Elternhaus zurückkehren und in der Wirtschaft des Vaters aushelfen.

Lehre in Erlangen

Seine künstlerischen Neigungen – er begann schon in der Schule regelmäßig zu zeichnen – wurden von der Familie nicht unterstützt. Geiger begann verschiedene Lehren, brachte aber keine zu Ende. Recht und schlecht schlug er sich durch, suchte aber immer wieder Kontakte zu Künstlern, unter anderem in Würzburg zu Johann Peter Wagner, dem aus Obertheres stammenden Hofbildhauer des Fürstbischofs.
Die Familie drängte Geiger, endlich eine Lehre abzuschließen. Daraufhin wurde er in seiner Heimatstadt Erlangen Schüler des Hofmalers Karl Johann Georg Reuß. Nach Beendigung seiner Lehre bekam er erste Aufträge von fränkischen Adeligen.

1777 Niederlassung in Schweinfurt

Im Schloss der Grafen zu Castell-Rüdenhausen lernte er seine spätere Frau Johanna Barbara Schöner aus Schweinfurt kennen. Er heiratete sie 1780, nachdem er sich schon 1777 in der Reichsstadt niedergelassen hatte. Das Ehepaar hatte vier Kinder, aber nur zwei Töchter erreichten das Erwachsenenalter. Beide betätigten sich wie ihr Vater als Malerinnen. Die jüngere, Katharina, heiratete 1809 den bekannten Schweinfurter Farbenproduzenten Wilhelm Sattler, den Erfinder des Schweinfurter Grüns.
Die Eltern von Geigers Frau Johanna betrieben in Schweinfurt eine Gastwirtschaft, die Anlaufpunkt für die Schweinfurter Oberschicht war, sodass die wirtschaftliche Existenz seiner Familie gesichert war, zumal seine Frau nach dem Tod ihrer Mutter das Gasthaus weiter führte, wie Erich Schneider in seinem 1990 erschienenen Buch „Conrad Geiger, ein Fränkischer Maler am Ende des Alten Reiches 1751-1808“ berichtet.
Die Liste von Geigers Werken umfasste eine stattliche Reihe von Porträts von Adeligen aus dem Fränkischen sowie von angesehenen Bürgern und ihren Familien, unter anderem auch ein Portrait von Wilhelm Sattler. Dieses Bild ist aber verschollen. Ebenso lang ist die Liste der Werke, die Geiger für Klöster und Kirchen schuf. Eine ganze Reihe von Bildern entstand zum Beispiel für die Benediktinerabtei in Obertheres.

13 der 14 Stationen von Geiger

Der 14-teilige Kreuzweg für die Bartholomäus-Kirche in Oberspiesheim entstand um 1795, die 13 Kreuzwegstationen Geigers für die Sebastianskirche in Unterspiesheim im Jahr 1798. Eine der Tafeln für Unterspiesheim, die Darstellung der Kreuzigung, war von Johann Peter Wagner geschaffen worden, daher malte Geiger hier nur 13 Stationen. Woher weiß man nun, dass Conrad Geiger sich und seine Familienangehörigen auf den Kreuzwegstationen verewigt hat? Der Maler hat seine Frau, seine Kinder und auch sich selbst häufiger gemalt, daher gibt es Vergleichsmöglichkeiten. So sind er und seine Frau auf den Kreuzwegstationen zu identifizieren. Ein Jahr vor seinem Tod hatte Geiger ein Bild für die Schweinfurter Johanniskirche gemalt, auf dem er ebenfalls Porträts seiner Familie untergebracht hatte.

Das hatte damals einen kleinen Skandal ausgelöst. Familienporträts hin oder her, die Unter- und Oberspiesheimer dürften damals stolz gewesen sein, dass mit Conrad Geiger einer der bekanntesten Maler seiner Zeit für die Kirchen in ihren Dörfern gearbeitet hat.

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