Das Grab eines bedeutenden Kelten

30.10.2008
Mainpost 30.10.2008

HERLHEIM

Das Grab eines bedeutenden Kelten

Kapellenhügel umgestaltet – Schöne Aussicht auf Steigerwald und Rhön 

Im Rahmen des Flurneuordnungsverfahrens, das nun beinahe abgeschlossen ist, wurden nicht nur größere Flurstücke geschaffen und Wege gebaut. Durch Renaturierungsmaßnahmen und die Neugestaltung von Flächen, die aus der Bewirtschaftung genommen wurden, entstanden teilweise ganz neue Ansichten in der Landschaft. Nun ist auch die letzte dieser Maßnahmen abgeschlossen.

Der Kapellenhügel im Westen von Herlheim, Unterfrankens größter hallstattzeitlicher Grabhügel, der bis vor zwei Jahren landwirtschaftlich genutzt wurde, hat ein ganz neues Gesicht erhalten.

Schon von Weitem kann man auf der Erhebung im sonst flachen Gelände den Baumkreis aus fünf Säulenhainbuchen erkennen. Durch sie wird dieser ehrwürdige Ort markiert, hervorgehoben und zugleich betont. Ein an fünf Stellen unterbrochener Mauerkreis aus Muschelkalkquadern, die als Sitzsteine dienen, umringt die Baumpflanzung. Den Kreismittelpunkt bildet eine Info-Stehle.

 

Mit dieser Gestaltung wird der Hügel auch künftigen Generationen als kulturhistorisches und landschaftsprägendes Element erhalten, so Hilmar Volkamer, der Vorsitzende der Teilnehmergemeinschaft Herlheim 2.

 

Die Kosten der Gestaltung beliefen sich laut Volkamer auf insgesamt 20 000 Euro. Ein Großteil davon wurde durch Zuwendungen finanziert. Der Eigenleistungsanteil der Teilnehmergemeinschaft betrug zirka 2000 Euro.

 

Größter Grabhügel Unterfrankens

 

Der Kapellenhügel ist der größte Grabhügel unter zehn bis 15 solcher Hügel in Unterfranken, die sich alle im Umkreis von Würzburg befinden, sagte Michael Hoppe, Referatsleiter des bayerischen Landesamtes für Denkmalpflege.

 

Auf einer Informationstafel am nahe gelegenen Kolitzheimer Weg erfährt der Interessierte dann Näheres über die Grabhügel allgemein und den Kapellenhügel im Besonderen. Die Entstehung des Hügels, der einen Durchmesser von rund 90 Metern hat und zirka fünf Meter hoch ist, wird auf 780 bis 480 vor Christus datiert. Wahrscheinlich fand hier ein herausragender Kelte, auf einen Wagen gebettet, seine letzte Ruhestätte. Als Grabbeigaben wurden Vorratsgefäße aus Keramik, Teller, Schüsseln und Trinkschalen mit ins Grab gelegt. Die Gefäße enthielten wohl Speisen und Getränke für die Reise ins Jenseits und die Bewirtung der Ahnen, die man dort anzutreffen hoffte. Weiter ist auf der Tafel zu erfahren, wie der Verstorbene ins Grab gebettet, die Grabkammer verschlossen und der Hügel angelegt wurde.

 

Möglicherweise war der Kapellenhügel, im Volksmund „Käppeleshügel“, Standort einer hölzernen Taufkirche, die mit der Verlegung der Pfarrei in die Dorfkirche an Bedeutung verlor und unterging. So ist es neben vielen weiteren detaillierten Beschreibungen auf der Tafel zu erfahren.

 

Abschluss bei strömendem Regen

 

Bei der Bauabnahme bei strömendem Regen freuten sich nun alle an der Maßnahme Beteiligten über die gelungene Gestaltung des Hügels. Dies waren Hilmar Volkamer vom Amt für Ländliche Entwicklung Unterfranken, der Vorsitzende der Teilnehmergemeinschaft Herlheim 2, Dorit Bollmann vom Sachgebiet Landespflege am Amt für Ländliche Entwicklung und Robert Grömling vom Verband für Ländliche Entwicklung. Grömling schrieb die Arbeiten aus. Weiter anwesend waren Michael Hippe, Referatsleiter des bayerischen Landesamtes für Denkmalpflege für Unter- und Oberfranken, Fernando H. Gabel, der die Steinmetzarbeiten ausführte und der örtliche Gemeinderat Franz Schuster.

 

Vom Kapellenhügel selbst hat man einen erstaunlich guten Ausblick auf Herlheim, den nahe gelegenen Herrnbrunnen und den Herleshof. Weiter sind neben dem Steigerwald im Hintergrund zahlreiche umliegende und auch weiter entfernte Orte zu sehen. Selbst die Konturen der Rhön erblickt man bei guter Sicht.

 

Daten und Fakten

 

Der Kapellenhügel liegt zirka 800 Meter westlich von Herlheim. Für Interessierte ist er gut zu erreichen, indem sie am Ortsende, Richtung Oberspiesheim, in den Kolitzheimer Weg abbiegen und geradeaus weiterfahren. Der landwirtschaftliche Wirtschaftsweg ist gut ausgebaut und auch als Radweg nach Kolitzheim ausgeschildert.

 

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