Der Traum von der Delfintherapie

13.03.2009
Mainpost 13.3.2009
 
UNTERSPIESHEIM
Der Traum von der Delfintherapie
Die 16-jährige Jasmin Götz ist körperlich und geistig schwer behindert sowie blind
Das Leben hat es nicht wirklich gut gemeint mit Jasmin Götz. Obwohl schon kurz nach der Frühgeburt bei ihr ein Herzfehler festgestellt wird, bekommt sie über einen längeren Zeitraum aufgrund des zu niedrigen Sauerstoffgehaltes im Blut Sauerstoff zugeführt. Zu viel Sauerstoff, den der Körper des Säuglings aufgrund des Herzfehlers gar nicht mehr produzieren und aufnehmen konnte, erzählt ihre Mutter Hedwig. Bis das Gerät wieder abgestellt wird, ist das Gehirn bereits schwer geschädigt, Jasmin erblindet. Seitdem leidet sie zudem an der so genannten Tetraspastik.
Doch sie hat ihre Familie und deren Unterstützung. Die kämpft jetzt darum, dass die inzwischen 16-Jährige die Chance auf eine Delfintherapie bekommt. Das ist im Moment der größte Wunsch von Jasmin, von ihren Eltern Hedwig und Uwe sowie von ihrem drei Jahre älteren Bruders Jens.
Das Bild auf dem Tisch
Das Bild aus dem vergangenen Sommer auf dem Tisch im Wohnzimmer von Hedwig und Uwe Götz in Unterspiesheim zeigt ein fröhliches, junges Mädchen mit schulterlangen, blonden Haaren, aber auch mit verkrampften, angewinkelten Armen, verkrümmter Wirbelsäule und schmächtigen, staksigen Beinen. Es ist die schwerstbehinderte Jasmin, die hier scheinbar so glücklich und zufrieden im Garten der Familie im Wirtsweg liegt. Sie ist gerne draußen, in der Natur. Da hört sie die Vögel, spürt das Gras, so Vater Uwe. Unter der Woche ist die Tochter nicht zuhause, sondern im vierten Jahr im Internat der Schule für Behinderte auf dem Würzburger Heuchelhof. Die Wochenende und Ferien oder die Zeit, in der sie krank ist, verbringt sie zuhause. Zuvor hatte sie die Schule der Lebenshilfe in Schonungen besucht.
Rechtsschutz fehlte, um zu klagen
Die Eltern betonen, dass sie liebend gern damals gegen die Ärzte geklagt hätten, allerdings hatten sie keinen Rechtsschutz, um den langen Weg durch die Instanzen bestreiten zu können und nicht vollends nervlich und finanziell aufgerieben zu werden.
Jasmin muss aufgrund ihrer Erblindung und vor allem der Tetraspastik (so wird die Haltungs- und Bewegungsstörung bis hin zur Lähmung durch eine überhöhte Muskeltätigkeit an allen vier Gliedmaßen, also den Armen und Beinen, bezeichnet, griechisch tetra=vier) nicht nur ständig betreut werden. Bis heute wird sie auch sechs Mal operiert, darunter an Herz und Hüfte.
Obwohl Hedwig, Uwe und Jens Götz längst gelernt haben, mit der Behinderung Jasmins zu leben, gibt es Tage, an denen die Pflege der Familie alles abverlangt. Etwa immer dann, wenn das Mädchen endlos schreit, wenn Jasmin schimpft, zappelt und sich nicht wohl fühlt. „Da bin auch ich soweit und weiß nicht weiter“, erzählt Hedwig Götz. Dabei versichern die Ärzte, Jasmin würde all das, was um sie herum geschieht, verstehen. Sie hat gelernt, „Ja“ und „Nein“ zu sagen, und durch Krankengymnastik und verschiedene Therapien gelingt es, ihren steifen Körper beweglicher zu machen.
Doch Jasmins Arme sind immer noch verkrampft und ungelenkig. Meist dreht sie sich auch nur nach rechts. Das ist ihre Lieblingsseite. Das komme daher, dass die linke Seite durch den Herzfehler lange nicht richtig durchblutet wurde, berichtet ihre Mutter.
Therapie in der Türkei
Damit sich der Gesundheitszustand ihrer Tochter nachhaltig verbessert, setzen die Eltern nun alle Hoffnung auf eine Delfintherapie. Die hat gerade in diesen Fällen schon häufig vorher für unmöglich gehaltene Verbesserungen erzielt, was Bewegungsabläufe und die Kommunikation mit den Mitmenschen mittels Sprache, Lauten oder Gestik betrifft.
Nachdem eine Delfintherapie in Deutschland, etwa im Delfinarium in Nürnberg, aufgrund des zu hohen Alters von Jasmin ausscheidet, ist die Familie Götz sowohl über das Internet als auch einen Beitrag im Fernsehen auf die Adresse in der Türkei gestoßen. Ein weiterer Vorteil der Türkei ist, dass der Flug relativ kurz ist, keine große Zeitumstellung erforderlich ist, deutschsprachige Therapeuten zur Verfügung stehen und die Behandlung hier billiger als in Florida oder auf Curacao ist.
Allerdings, und das ist das Riesenproblem, die Therapie hat ihren Preis und die Kosten werden nicht von den Krankenkassen übernommen. Schätzungsweise 9000 bis 10 000 Euro wird die Therapie für Jasmin in Begleitung ihrer Eltern inklusive Flug und Unterkunft so unter dem Strich verschlingen. Allerdings kann Hedwig Götz seit der Geburt Jasmins nicht mehr arbeiten und das Geld, das ihr Mann Uwe im Sägewerk verdient, reicht auch nicht aus, diese Ausgaben zu schultern.
Spendenkonto und -boxen
Doch der aus Bad Kissingen stammende Uwe Götz und seine Frau Hedwig, eine gebürtige Gernacherin, wollen nichts unversucht lassen. Deshalb haben sie jetzt eine Spendenaktion gestartet. Die ersten Sammelboxen stehen bereits in Banken, Praxen, Apotheken oder Geschäften in Unterspiesheim und zahlreichen anderen Ortschaften der Umgebung.
Ferner wurde ein Spendenkonto für Jasmins Delfintherapie eröffnet. Allerdings können keine Spendenquittungen ausgestellt werden. Dafür wäre der Aufwand zu hoch gewesen, so Hedwig und Uwe Götz.

Kontakt: Familie Götz, Wirtsweg 3, 97509 Unterspiesheim, Tel. (0 97 23) 86 90, E-Mail: uuwegoetz@aol.com. Das Spenden-Girokonto mit der Nummer 18 33 456 wurde auf den Namen Jasmin Götz bei der Raiffeisen-Volksbank Gerolzhofen-Unterspiesheim (BLZ 793 620 81) eingerichtet.

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