Ruhestatt eines herausragenden Keltenfürsten

16.09.2008
Mainpost 16.09.2008

HERLHEIM

Ruhestatt eines herausragenden Keltenfürsten

Größter Grabhügel in ganz Nordbayern 

 

(bp) Mit etwa 90 Meter Durchmesser und einer Höhe von zirka fünf Metern ist der „Käppeleshügel“ (Kapellenhügel) westlich von Herlheim der größte Fürstengrabhügel Nordbayerns aus der Hallstattzeit. Nach der Flurneuordnung ist er öffentlich zugänglich und wird neu gestaltet. Am Tag des offenen Denkmals am Sonntag wurde der Grabhügel der Öffentlichkeit vorgestellt.

Mit der „Adler“-Lok aus Gerolzhofen fuhren zahlreiche Interessierte aus der Umgebung zu diesem herausragenden Bodendenkmal. Weitere kamen mit dem Fahrrad oder dem Auto. Arnold Hess (bei anderen Führungen Erwin Wiesmann) begleitete die Gäste und erzählte ihnen viel Wissenswertes über Herlheim und seine Geschichte.

Zum Kapellenhügel fuhr die Lok über den Gernacher Weg Richtung Westen. Das Alter des Hügels datiert man auf etwa 780 bis 480 vor Christus, informierte Hess. Hier fand ein herausragender keltischer Fürst, auf einem Wagen gebettet, seine letzte Ruhestätte. Für seine Reise ins Jenseits wurden Grabbeigaben wie Vorratsgefäße aus Keramik, Teller und Schüsseln mit ins Grab gelegt, hörten die Besucher. Sie erfuhren weiter, wie der Verstorbene im Grab gebettet, die Grabkammer nach der Bestattungszeremonie verschlossen und der Hügel angelegt wurde. Ob auf dieser geschichtsträchtigen Stätte die erste karolingische Urkirche Herlheims stand, ist ebenso wenig erwiesen wie das Vorhandensein einer Taufkapelle im Mittelalter.

Weiter ging es zum nahen Herrenbrunnen, der im Zuge der Flurbereinigung neu gestaltet wurde. Diese frühere Trinkquelle lag wie der Kapellenhügel an der Kreuzung alter Wege von Kolitzheim nach Sulzheim und von Herlheim nach Gernach. Sie hat Generationen von Bauern und anderen Vorbeikommenden als Erfrischung gedient, erklärte Hess. Die Quelle soll auch die Taufquelle der Pfarrei Herlheim gewesen sein.

Vom Herrenbrunnen aus hatten die Gäste einen Blick auf die wenigen noch vorhandenen Gebäude des Herleshofes. Das Gut gehörte früher zum Königshof Herlheim (siehe Bericht links) und war hauptsächlich für die Pferdezucht des königlichen Reiterheeres (etwa ab dem 9./10. Jahrhundert) zuständig, sagte Hess.

 

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