Viel Kultur in barockem Gemäuer

06.10.2008
Mainpost 06.10.2008

ZEILITZHEIM

Viel Kultur in barockem Gemäuer

Familie von Halem erweckte Schloss Zeilitzheim aus Dornröschenschlaf

 

Bis zum Jahr 1979 war Schloss Zeilitzheim dem Verfall preisgegeben. Dann kaufte es die Familie von Halem. In unermüdlicher Arbeit und mit zahllosen Initiativen ist es der Familie bis heute gelungen, dem Barockbau nicht nur wieder ein Gesicht zu verleihen, sondern auch, ihm beachtliches kulturelles Leben einzuhauchen. Dafür erhielten die von Halems 2004 sogar den Deutschen Preis für Denkmalschutz.

 

Schloss Zeilitzheim ist ein Schloss ohne Schlösser. Es lädt regelrecht zum Eintreten ein, denn nirgendwo ist eine Tür versperrt; nicht einmal Klingeln ist nötig. „Nur nicht so schüchtern, kommen Sie herein“, begrüßt Marina von Halem den Besucher, der von Straßenseite ins Schloss eingetreten ist. Dem Wunsch, hier Bilder machen zu dürfen, entspricht sie sofort. „Gehen Sie, wohin Sie möchten, es ist alles offen.“

 

Mit einer Mitarbeiterin ist Marina von Halem gerade mit der Organisation des Kulturprogramms beschäftigt, das das Schloss durch seine Qualität seit vielen Jahren auszeichnet und dessen Erlös zum Erhalt des ortsbildprägenden Bauwerks in Zeilitzheim beiträgt.

 

Ein freundlicher Gruß

 

Schlossherr ist Alexander von Halem betritt das Gebäude über einen ebenfalls offen stehenden Seiteneingang. Auch für ihn ist es scheinbar selbstverständlich, dass ein Fremder im Schlossgarten herumspaziert und munter Fotos schießt. Keine fragende Bemerkung, was der „Eindringling“ hier wohl zu suchen habe, sondern nur ein freundlicher Gruß.

 

Alexander von Halem sieht das Schloss als ein Familienunternehmen und Lebensprojekt über mehrere Generationen. 1999 hat er es von seinen Eltern durch Schenkung übernommen und führt es seitdem zusammen mit seiner Mutter Marina.

 

Behilflich ist dabei auch seine Frau und Juniorchefin Katalin, mit der Alexander von Halem seit 2003 verheiratet ist. Die Aufgabe des Hotelmanagements erfüllt sie im Hotel Schloss Zeilitzheim mit seinen 20 Gästezimmern.

 

Schon viele bezaubert

 

Zu tun gibt es immer, denn das Landschloss aus dem 17. Jahrhundert und bietet seinen Besuchern Musik und Kultur, Feste und Feiern, Begegnungen und Kontakt mit Menschen aus der ganzen Welt. Seine festlichen Säle, die Tagungsräume, die Gästezimmer und der barocke Garten bilden einen Rahmen, der schon viele Kulturbegeisterte bezaubert hat.

 

Die Geschichte des Hauses hat Hilmann von Halem recherchiert. Danach ist das gegenwärtige Schlossgebäude etwas mehr als 300 Jahre alt. Es steht aber auf historischem Boden. Hier ist seit 1278 ein Rittersitz bekannt. Bis Ende des 14. Jahrhunderts sind die ursprünglichen adeligen Herren „von Zulichsheim“ bezeugt. Wahrscheinlich handelte es sich hier um eine Wasserburg mit Wall, Graben und eventuell Türmen am tiefsten Punkt des Dorfes.

 

Verschiedene Adelsgeschlechter

 

Nach dem Aussterben der Herren von Zulichsheim fiel die Burg an den Lehensherrn, den Bischof von Würzburg, zurück. In der Folgezeit wurden verschiedene Adelsgeschlechter damit belehnt, darunter die Herren von Thüngfeld und die Herren von Thüngen. Im 16./17. Jahrhundert gehörte das Schloss den Herren von Grumbach und den Fuchs von Bimbach gemeinsam, später den Fuchs allein. 1640 kaufte es der kaiserliche Oberst Hans Wolf von Wolfsthal von seinem Schwiegervater Fuchs von Bimbach zu Neuses am Sand.

 

Da Philipp Gaston Wolf von Wolfsthal fast eine fürstenähnliche Stellung bekleidete und durch die Türkenkriege des 17. Jahrhunderts als kaiserlicher Regimentskommandeur zu Geld gekommen war, ließ er das alte Schloss abreißen und ein größeres und repräsentativeres neues bauen. Die Pläne waren um 1680 unter Beratung des Würzburger Hofarchchitekten Antonio Petrini entstanden, die Ausführung lag in den Händen des Baumeisters Andreas Keßler. So entstand bis 1683 der heutige vierflügelige barocke Schlossbau mit dem quadratischen Innenhof. In der prächtigen Portalanlage sollen noch Teile des Vorgängerbaus aus dem 16. Jahrhundert enthalten sein. Das Juwel des Schlosses aus der Blütezeit fränkischer Barockarchitektur ist der Freskensaal.

 

Adoptionsvertrag

 

Philipp Gaston wusste, dass die Familie mit ihm im Mannesstamm aussterben würde. Der Grundbesitz sollte aber ungeteilt und Name und Wappen erhalten bleiben. Deshalb adoptierte er seinen Nachbarn und Freund, den regierenden Grafen von Schönborn-Wiesentheid. Die Bestimmungen des Adoptionsvertrages wurden eingehalten, bis in unserer Zeit Graf Schönborn die Schlösser Zeilitzheim und Neuses am Sand verkaufte.

 

Im Schloss war die katholische Ortskirche und die katholische Schule. Hier wohnten der katholische Pfarrer und die Nonnen, die ihn versorgten.

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