„Von Frauen für Frauen – das fand ich schön“

08.10.2008
Mainpost 08.10.2008

ZEILITZHEIM

„Von Frauen für Frauen – das fand ich schön“

Erster Frauengottesdienst im Dekanat Süd lockt über 40 Teilnehmerinnen an – und einen Mann

„Ich bin ein wenig überrascht von dem Ansturm.“ Pfarrerin Claudia Jobst staunt, mit so vielen Besucherinnen zum ersten Frauengottesdienst des Dekanats Schweinfurt Süd hat sie nicht gerechnet. Die Frauen holen aus dem Pfarrheim Stühle und tragen sie in den Altarraum. Johanna Niklaus, Initiatorin der neuen Gottesdienstreihe, strahlt: „So etwas erlebt man sonst nur auf Katholikentagen.“

Dicht gedrängt sitzen über 40 Frauen und ein Mann in dem kleinen Altarraum der evangelischen Kirche. Sie singen, beten und reden miteinander. „Weil wir Frauen anders miteinander umgehen, leichter miteinander ins Gespräch kommen“, rief Niklaus die Frauengottesdienste ins Leben. Der Gottesdienstverlauf zeigt, dass sie recht hat. Die Teilnehmerinnen erzählen einander, was für sie Erntedank bedeutet: Vom Steinpilz im Wald über den eigenen Garten bis hin zu den Enkeln kommt der ganze Alltag zur Sprache.

Johanna Niklaus ist Familienseelsorgerin, Frauengottesdienste zu kreieren ist ihr seit langem ein Anliegen. Eine ihrer Kolleginnen meinte zwar: „Frauengottesdienste brauchen wir nicht. Alle unsere Gottesdienste sind doch eigentlich nur noch Frauchen-Gottesdienste.“ Aber Niklaus sieht das anders. Zwar stimme es, dass vor allem Frauen die Kirchenbänke füllten, aber zu einem richtigen Frauengottesdienst gehört für sie mehr. Den müssten Frauen vorbereiten, und er müsste auf die Belange der Frauen gezielter eingehen. So würden Frauen mit allen Sinnen feiern, gäben einander Autorität. Dann wird der Dank zelebriert: Jede Frau holt sich einen rotwangigen Apfel aus einem Korb vor dem Altar, spricht aus, wofür sie besonders dankbar ist, und verschenkt den Apfel an eine andere Teilnehmerin. Jetzt gilt es aufzupassen, dass am Ende alle Besucherinnen einen Apfel haben. Es gelingt. „Das Aufeinanderachten haben wir Frauen ein Leben lang eingeübt“, so eine Besucherin.

 

Die Atmosphäre im Altarraum ist locker, fröhlich und gleichzeitig von einer tiefen Gläubigkeit getragen. Es wird geklatscht und den Gebeten wird mit Gesten Ausdruck verliehen. Besonders schön ist für Niklaus, dass gleich der erste Frauengottesdienst ein ökumenischer war. Denn für diese monatliche „Auszeit“ in Zeilitzheim war das Vorbereitungsteam rein evangelisch gewesen.

 

Ungewöhnlich auch die Anfangszeit 20.15 Uhr. „Tatort schauen oder Gottesdienst, zwischen diesen Alternativen muss man sich entscheiden“, so die Familienseelsorgerin. Doch die Besucherinnen sind sich einig: „Von Frauen für Frauen – das fand ich schön“, sagt Heidi Reißner. „Das gibt einem schon was“, lässt Claudia Graf vom Vorbereitungsteam wissen und glaubt, dass die Menschen in unserer hektischen Welt solche Auszeiten brauchen. Rita Ramstein hält diese Art von Gottesdienst für „unbedingt nötig. Hier sind wir viel mehr einbezogen, es ist persönlicher.“ Auch Mechthild Finster ist begeistert: „Das ist unsere Art, zu feiern – nicht so starr, mit viel Platz für Spontanität.“

 

Michaela Karg dagegen findet, dass solche Gottesdienste eigentlich nicht nötig sind. „Ich fühl' mich auch in anderen Gottesdiensten aufgehoben“, meint sie, schränkt aber ein: „Manche Frau geht mehr aus sich heraus, wenn wir unter uns sind.“ Anita Laskowski gibt ihr teilweise recht: „Ich wäre auch mit grundsätzlich flexibleren Gottesdiensten einverstanden, dann bräuchten wir das vielleicht nicht.“

 

Die nächsten Frauengottesdienste jeweils am ersten Sonntag im Monat um 20.15 Uhr sind am 2. November in Frankenwinheim, am 7. Dezember in Dürrfeld, am 4. Januar 2009 in Dingolshausen und am 1. Februar 2009 in Oberspiesheim.

 

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