„Wir werden Umgehung nicht hinkriegen“

06.04.2009

Mainpost 03.04.2009

KOLITZHEIM

„Wir werden Umgehung nicht hinkriegen“

 

Bürgermeister Herbert skeptisch zu einer idealen Trasse um Volkach – Heftige Diskussion im Rat

Für die Gemeinderatssitzung war der Tagesordnungspunkt Umgehungsstraße Volkach-Gaibach-Kolitzheim nur als Information zum derzeitigen Sachstand angekündigt. Trotzdem fanden sich etwa 50 Bürger und Bürgerinnen, vorwiegend aus Kolitzheim und Zeilitzheim, im Sitzungssaal ein. Auch seinen Amtskollegen Peter Kornell aus Volkach konnte Bürgermeister Horst Herbert begrüßen.

 

Heute werde kein Beschluss gefasst, jeder solle sich zuerst Gedanken machen und der Gemeinderat werde sich die möglichen Trassen vor Ort anschauen, schickte Bürgermeister Herbert voraus. Dann ging er auf den Volkacher Beschluss für eine große Ostumgehung ein. Der Stadtrat habe den Weg des geringsten Widerstandes gewählt, meinte er.

Im Osten lägen 80 Prozent der Streckenführung auf Zeilitzheimer und Kolitzheimer Gemarkung. Im Westen seien dies 32 Prozent und hier gebe es teilweise bereits eine Straße, was einen geringeren Einschnitt in die Landschaft bedeute, begründete Herbert seine favorisierte Strecke. Auch bei einer Sonderbaulast würde dies für Kolitzheim einen großen Unterschied bei den Kosten machen. In Zeilitzheim wurden schon zahlreiche Unterschriften gegen eine Ostumgehung gesammelt, in Kolitzheim dagegen sprach sich der Bauernverband für diese Strecke aus, berichtete Herbert weiter.

Willen der Gaibacher respektieren

Volkachs Bürgermeister Peter Kornell begründete seinen Umschwung von der West- auf die Ostvariante damit, dass er den Willen der Gaibacher Bürger, die sich intensiv mit dem Thema befasst haben, berücksichtigen musste. Im Flächenverlust der Landwirte sieht er kein großes Problem, da es immer verkaufswillige Landbesitzer gebe und dann getauscht werden könne. „Sie haben alle Optionen offen“, auch für kleinräumige Umgehungen, wandte er sich an die Gemeinderäte.

Vom Volkacher Beschluss seien sie nicht negativ belastet. Kornell appellierte allerdings dafür, bald eine Entscheidung zu treffen, damit geplant werden könne. Sonst gehe es nicht weiter. Man habe Zeit, und das sehe auch Direktor Holger Bothe vom Straßenbauamt Schweinfurt so, meinte dagegen Bürgermeister Herbert.

Beide große Streckenführungen würden zirka 21 Millionen Euro kosten, wurde weiter klar. Bei einer Sonderbaulast, bei der in der Regel der Staat etwa 70 Prozent zahle, würde dies für Kolitzheim und Volkach zusammen etwa 7 Millionen Euro Kosten bedeuten. Volkachs Bürgermeister möchte allerdings maximal eine Million Euro ausgeben. Neben der Mitfinanzierung der neuen Strecke müssten die Gemeinden weiterhin zehn Jahre lang für deren Unterhalt aufkommen und die alten Trassen ganz übernehmen, kristallisierte sich weiter heraus.

Nutzen und Lasten

In der nun folgenden, teilweise heftigen Diskussion, teilten die Gemeinderäte ihre Meinungen, Bedenken und Ansichten mit. So sprachen sich die Stammheimer Rätin Monika Ziegler und Werner Herbert aus Zeilitzheim vehement für die West- und gegen die Ostumgehung aus. Die Gaibacher, die den größten Nutzen haben, sollen auch die Last tragen und nicht die Zeilitzheimer, die keine Vorteile, sondern nur Nachteile haben. Mitten durch die Weinberge, die nicht einfach woanders hingelegt werden könnten, ginge in der Zeilitzheimer Flur die Strecke. „Vollkommen unmöglich“, kommentierte Monika Ziegler.

In Zeilitzheim wurde gerade die Flurbereinigung anberaumt, die 2014 abgeschlossen werden soll, so Landwirt Werner Herbert. Hier gebe es nun bereits Unfrieden. „Wir haben nun den schwarzen Peter“, meinte Walter Wiegand. Ursache sei Gaibach, das nun andere die Last tragen lässt, was so nicht sein könne.

Der dritte Bürgermeister und Kolitzheimer Landwirt Alfred Bumm sprach sich dagegen für die Ostvariante aus. Sie gehe gerade durch die Flur und binde das Kolitzheimer Gewerbegebiet besser an.

Für Reinhold Holzheid stellt sich dagegen die Frage: „Wie kann die Sache am schnellsten und mit dem wenigsten Landverbrauch realisiert werden?“ Man solle nicht nur auf eine große Lösung blicken. „ Je besser der Ausbau, desto mehr Verkehr,“ so seine Meinung.

Auch zweiter Bürgermeister Martin Mack ist einer kleinen Umgehung nicht abgeneigt. Man brauche eine gewisse Reifungszeit und solle nicht zu schnell entscheiden. Eine kleine Umgehung gehe zwar schneller, brauche aber wohl auch fünf bis zehn Jahre, und koste bei Sonderbaulast der Gemeinde zwei Millionen Euro, so Bürgermeister Herbert.

Über Baulast reden

Bei der Realisierung der Ostumgehung liegen zwei Drittel der Strecke auf Kolitzheimer Gebiet, meinte Michael Bürger und wollte wissen, ob dann Kolitzheim bei der Sonderbaulast auch zwei Drittel bezahlen müsste. Darüber müsse und könne man reden, antwortete hierauf Volkachs Bürgermeister Peter Kornell.

Die Diskussion ging noch lange hin und her. So sprachen sich Räte gegen eine Sonderbaulast, welche die Kommunen viel Geld koste, aus, und es wurde auch die Möglichkeit beziehungsweise Unmöglichkeit einer Sperre der Staatsstraße für Lkw oder eine Führung des Verkehrs über die B 286 erläutert.

Er habe keine Hoffnung, dass das Problem in zehn bis 15 Jahren gelöst werde. „Wir werden es nicht hinkriegen“, beendete Bürgermeister Herbert das Thema.

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