„Wirklich etwas ganz Besonderes“

04.07.2009

 

Mainpost 4.7.2009
 
HERLHEIM
„Wirklich etwas ganz Besonderes“
400 Jahre altes Haus in Herlheim erhält ein Notdach zur Substanzsicherung
Gut 400 Jahre alt ist das Haus in der Herlindenstraße 32, mitten in Herlheim. Nachdem kurz vor Weihnachten vergangenen Jahres ein Teil des Daches eingestürzt war, rettete die Interessengemeinschaft (IG) für Bauwerkerhalt, Umwelt und Kulturpflege das Gebäude vor dem Abriss: Sie kauften es dem Besitzer ab, um es zu sanieren. Nun wurde der erste Schritt hierzu getan. Das Gebäude erhielt zur Substanzsicherung ein Notdach.
Dadurch wird das alte Haus vor Wettereinflüssen geschützt und die IG gewinnt Zeit. Dies sei sowohl für die nötigen Restaurierungsarbeiten – man müsse in Ruhe überlegen, wie es weitergehen soll und ein Konzept erstellen – als auch für die Finanzierung wichtig, sagt Matthias Braun, der Vorsitzende der Interessengemeinschaft. Mehrere Jahre werde die Sanierung dauern, so Braun, denn es gebe einige größere Schäden, die von Grund auf angegangen werden müssten. Ziel sei es, das Gebäude auf denkmalverträgliche Weise zu sanieren, damit es auch modernen Ansprüchen genügt. Langfristig soll es wieder Wohnzwecken zugeführt werden.
Die Noteinhausung präsentiert sich nun als zweites Dach über dem gesamten Gebäude, dem Wohntrakt, der ehemaligen Futterkammer und dem dahinter liegenden Stall. Dafür fertigte eine Zimmererfirma einen neuen Dachstuhl an. Die Querbalken im Traufe- und im Firstbereich liegen dabei auf einem das Gebäude umgebenden Baugerüst. Abgedeckt ist das Notdach mit Trapezblech.
Im Jahr 1608 erbaut?
„Das Haus ist wirklich etwas Besonderes“, erklärt Braun. Bereits zweimal haben die neuen Besitzer die eingeritzte Jahreszahl 1608 gefunden. Deshalb gehen sie davon aus, dass dies das Jahr der Erbauung ist. Teile können aber auch noch älter sein. In dieser ganzen Zeit gab es Veränderungen, aber keine neuzeitlichen Renovierungen. Vieles ist demnach noch sehr ursprünglich, also aus der Zeit der Erbauung, so Braun. Bestimmte Hinweise wie der repräsentative Raum im Obergeschoss könnten Hinweise sein, dass dieses Anwesen Wohnstätte eines Angehörigen der Oberschicht war, meint der Vorsitzende der IG.
Auch andere interessante Details, die noch Rätsel aufgeben, finden sich im Gebäude. So ist die gesamte Decke im Flur des Obergeschosses rußgeschwärzt. Mit einer Ritzzeichnung im Verputz des Obergeschosses, die ein Männchen mit Pluderhose und Federhut zeigt, der eine Fahne und Degen trägt, hat sich Hans Seidel aus Hof nun schon intensiver beschäftigt und einiges herausgefunden. Für ihn ist dieser Mann ein niedriger Adeliger, eventuell auch ein Soldat aus der Zeit um 1600. Keinesfalls sei er ein Bauer oder gar ein Unfreier.
Der für die Allgemeinheit tätige Verein, so Braun, erhofft sich natürlich Förderungen vom Landesamt für Denkmalpflege, vom Bezirk, vom Landkreis und der Gemeinde. Diese beteiligten sich bereits in großzügiger Weise am neu errichteten Notdach. Der Löwenanteil der Finanzierung wird auf die IG entfallen, die auch in Form von Eigenleistungen sehr viel beitragen wird.
Mittelalterfest geplant
Am Tag des offenen Denkmals am 13. September wird im Hof der Herlindenstraße 32 ein Mittelalterfest stattfinden, wobei die Noteinhausung des alten Gebäudes präsentiert wird. Natürlich soll dann auch das Haus selbst für Interessierte offen stehen.
Für die künftige Renovierung des alten Gebäudes ist der Verein auf die weitere Unterstützung aus der Bevölkerung angewiesen. Dies kann sowohl durch Mithilfe beim Umbau als auch durch Geldspenden geschehen.

Spenden: Kontonummer 8 12 68 31, Sparkasse Schweinfurt, Bankleitzahl 79 35 01 01.

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